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Newsletter »Servicestelle Validierung« Ausgabe 03/2024

Einleitung

Liebe Leserinnen und Leser,

zum Projektende von ValiKom Transfer am 31.10.2024 blicken wir in diesem Newsletter auf das im Projekt Erreichte, inklusive der Abschlusstagung, die am 15.10.2024 in Berlin stattfand, stellen Ihnen die interaktive Abschlussdokumentation des Projekts vor und geben einen Ausblick auf 2025 und die neue „Servicestelle Validierung“. Denn ab dem 01.01.2025 haben Personen ohne Berufsabschluss mit langjähriger Berufserfahrung die Möglichkeit ihre beruflichen Kompetenzen mittels des neuen gesetzlich geregelten Feststellungsverfahrens bewerten zu lassen. Dazu halten wir Sie weiterhin mit diesem Newsletter auf dem Laufenden und informieren über aktuelle Entwicklungen.

Aktuelles

Bei der vom BMBF und BMAS initiierten „Ersten Nationalen Weiterbildungskonferenz“, die am 14. und 15. November 2023 in Berlin stattfindet, zeigt die wissenschaftliche Begleitung des Projekts ValiKom Transfer am 15.11.2023 im Workshop „Weiterbildungszugänge und Beratungsstrukturen optimieren“ auf, welche Weiterbildungsmöglichkeiten sich für Teilnehmende nach einer erfolgreichen Validierung eröffnen können (Link zur Veranstaltung).

Abschlusstagung „Berufserfahrung validieren: Vom erfolgreichen Modellprojekt zum Gesetz“ am 15.10.2024 in Berlin

Bei der Abschlusstagung in Berlin blickten die etwa 130 Teilnehmenden auf die Erfolge des Projekts und die Einmündung in das neue Berufsvalidierungsgesetz. Es begrüßte Dr. Jens Brandenburg, Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der die Vorteile von Validierungsverfahren aus bildungspolitischer und volkswirtschaftlicher Sicht betrachtete. Er bedankte sich bei den Projektbeteiligten für die erbrachte Leistung und das große Engagement. Die Projekte ValiKom und ValiKom Transfer hätten den Weg zum gesetzlich geregelten Feststellungsverfahren geebnet und dazu beigetragen, dass ein breiter politischer Konsens für den Erlass des Berufsbildungsvalidierungsgesetz entstanden ist.
In drei unterschiedlich besetzten Talkrunden wurden die Bedeutung von Validierungsverfahren im Arbeitsmarktkontext, die Vorteile für Teilnehmende und Unternehmen und Aspekte des neuen Berufsvalidierungsgesetzes beleuchtet. Zum Schluss folgte ein Ausblick auf die Umsetzung von Validierungsverfahren ab 01.01.2025 und die „Servicestelle Validierung“.

Eine Zusammenfassung der Tagung finden Sie hier.

Informationsveranstaltungen zur Steigerung der Bekanntheit von ValiKom Transfer

Die ValiKom Projektkammern organisieren in regelmäßigen Abständen Informationsveranstaltungen, damit das Projekt bundesweit an Bekanntheit gewinnt. Diese werden in digitaler Form, in Präsenz oder als Hybrid-Veranstaltungen angeboten. Diese Veranstaltungen richten sich in erster Linie an Multiplikatoren, also z.B. an Berater*innen anderer Organisationen oder Unternehmen, die sich über das Validierungsverfahren informieren und dieses ggf. ihren Mitarbeitenden bzw. Kundinnen und Kunden empfehlen wollen.

So führten beispielsweise am 04. Mai 2022 die Handwerkskammer (HWK) Region Stuttgart und die Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart gemeinsam ein Online-Multiplikatoren-Event zum Thema „Berufskompetenzen sichtbar machen – mit dem ValiKom-Transfer-Zertifikat“ durch.

Unter den rund 40 Teilnehmenden waren viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter externer Beratungsstellen, aber auch Anerkennungsberaterinnen und Anerkennungsberater anderer Kammern.

Gestartet wurde die Veranstaltung mit einer kurzen Blitzumfrage, um den Wissensstand der Teilnehmenden abzufragen. Es folgten einige Zahlen und Fakten zum Hintergrund des ValiKom Transfer Validierungsverfahrens und die Darstellung des Verfahrensablaufs anhand eines Teilnehmerbeispiels.

Das Highlight der Veranstaltung war die abschließende Talkrunde, bei der acht ValiKom Berufsexperten, eine ehemalige Verfahrensteilnehmerin und ein Unternehmensvertreter von ihren Erfahrungen mit dem Verfahren berichteten.

Die Rückmeldungen von den Teilnehmenden des Multiplikatoren-Events waren durchweg positiv. Durch das Event konnte die Handwerkskammer Region Stuttgart schon einen neuen Teilnehmer für das Projekt gewinnen.

Die HWK Region Stuttgart und die IHK Region Stuttgart planen zukünftig zwei Veranstaltungen pro Jahr in diesem Format durchzuführen.

 

Alle geplanten Veranstaltungen der Projektpartner finden Sie auf unserer Homepage!

Abschlussveranstaltung Projekt TalentPASS: Erfolgreiche Kooperation der Projekte ValiKom Transfer und TalentPASS

Am 26. September 2023 fand die Abschlussveranstaltung des bundesweiten Projekts „TalentPASS – Potentiale aufdecken, anerkennen und weiterbilden“ in Köln statt. Das Projekt richtete sich an Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung oder Gleichstellung, die in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind und für ihre aktuelle Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt keine formale Anerkennung, z.B. in Form eines Berufsabschlusses haben. Das Projekt TalentPASS bot dieser Zielgruppe unter anderem die Möglichkeit, ihre beruflichen Kompetenzen durch eine Kammer mittels eines Validierungsverfahren bewerten und zertifizieren zu lassen. Dafür kooperierten die beiden Projekte ValiKom Transfer und TalentPASS während der gesamten vierjährigen Laufzeit miteinander. Die Ergebnisse dieser erfolgreichen Zusammenarbeit wurden während der Abschlussveranstaltung aus verschiedenen Blickwinkeln dargestellt. So kamen nicht nur Teilnehmende und ein Arbeitgeber zu Wort, die über ihre Erfahrungen mit dem Verfahren berichteten, sondern auch ein Berufsexperte, der die Bewertung der Kompetenzen vorgenommen hat, und die Projektleitungen beider Initiativen. Ein zentrales Ergebnis lautet, dass durch die individuelle Begleitung und Unterstützung der Teilnehmenden durch die Projektverantwortlichen von TalentPASS auch Menschen mit Behinderung ein Validierungsverfahren erfolgreich absolvieren können. Ohne diese begleitende Unterstützung würde diese Zielgruppe den Zugang zu „ValiKom Transfer“ nur schwer finden. Weitere Ergebnisse sowie die Empfehlungen des Projekts „TalentPASS“ für die Einführung eines dauerhaften Angebots begleiteter und validierter Kompetenzfeststellungen sowie Weiterbildung für Arbeitnehmer*innen ohne formale (verwertbare) Berufsqualifikationen finden Sie in Kürze hier.

Neun Jahre Berufsbildungsinnovation im Projekt ValiKom (Transfer)

Das Projekt ValiKom (Transfer) wurde von Beginn an wissenschaftlich durch das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) an der Universität zu Köln begleitet. Auf Basis der umfassenden Forschungsarbeit wurden über die Jahre zahlreiche Berichte und Artikel veröffentlicht und damit eine Grundlage zur projektbegleitenden Weiterentwicklung des Validierungsverfahrens und zur Vorbereitung der Gesetzgebung geschaffen.

Um allen Interessierten im Sinne des Open-Source-Gedankens einen Zugang und Einblick in neun Jahre Berufsbildungsinnovation im Projekt ValiKom (Transfer) zu ermöglichen, wurde ein innovatives Format der Wissenschaftskommunikation entwickelt: In einem interaktiven Bild können die gesammelten Ergebnisse und Erkenntnisse je nach Interesse vertieft werden.

Mit der Symbolik eines Hausbaus soll dabei verdeutlichen werden, dass auf dem Fundament der BMBF-Förderung (Input) sowohl durch die Projektsteuerung als auch in der Projektumsetzung durch die Kammern die tragenden Säulen des Validierungsverfahrens aufgebaut und gefestigt wurden (Output). Hierdurch konnten sowohl die Teilnehmenden über sich hinauswachsen als auch die beteiligten Unternehmen profitieren (Outcome). So kann abschließend festgehalten werden, dass das Projekt ValiKom (Transfer) einen nachhaltigen Beitrag zur quantitativen und qualitativen Fachkräftesicherung in Deutschland geleistet (Impact) und damit sein Ziel erreicht hat.

Link zur interaktiven Abschlussdokumentation:

https://www.validierungsverfahren.de/inhalt/projekt/interaktive-abschlussdokumentation

Erfolgsgeschichte: Durch das Validierungszertifikat eine Vollzeitstelle erhalten - Mahta Mashali berichtet, wie sie das Validierungsverfahren empfand

Mahta Mashali aus Stuttgart hat das Validierungsverfahren für den Referenzberuf `Kauffrau im Einzelhandel‘ durchlaufen und war ein Gast bei der Talkrunde der gemeinsamen Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart und der Handwerkskammer Region Stuttgart (s. oben). Frau Mashali nahm bei dem Online-Multiplikatoren Event teil, um potenziellen Teilnehmenden die Angst zu nehmen und Einblicke in das Verfahren zu geben. Wir möchten Ihnen Mahta Mashalis Geschichte ebenfalls vorstellen.

 

Frage: Frau Mashali, erzählen Sie uns etwas zu Ihrem beruflichen Werdegang?
Mahta Mashali: Ich arbeite seit 15 Jahren in unterschiedlichen Branchen des Einzelhandels. Angefangen habe ich bei einer Tankstelle hinter der Kasse. Die Arbeit hat mir sehr viel Spaß bereitet. Da ich schon immer sehr wissbegierig war, strebte ich nach mehr. Ich war sogar so weit, dass ich im Alter von 35 Jahren eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel durchlaufen wollte, doch leider konnte dies bei meiner damaligen Arbeitsstelle nicht realisiert werden. Nach dem Job bei der Tankstelle habe ich als Aushilfe in einem Bekleidungsgeschäft gearbeitet. Leider habe ich aufgrund eines fehlenden Nachweises meiner Kompetenz keine Festanstellung erhalten. Seit 2016 arbeite ich nun bei einer großen Supermarktkette.

Wie sind Sie auf das Validierungsverfahren aufmerksam geworden? Welche Gründe haben Sie motiviert?
Mahta Mashali: Ich war schon lange auf der Suche nach einer Möglichkeit, um mein Können zu zertifizieren zu lassen. Da mein aktueller Arbeitgeber mir nur eine Vollzeitstelle anbieten konnte, wenn ich einen offiziellen Nachweis über meine Fähigkeiten hatte, war für mich klar, dass ich jetzt aktiv werden muss. Zum Glück hat eine Freundin mich auf das Validierungsverfahren aufmerksam gemacht und ich habe diese Chance direkt ergriffen!

Am Verfahren haben Sie bei der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart teilgenommen. Wie waren Ihre Erfahrungen?
Mahta Mashali: Genau, ich habe mich auf der Webseite des Projektes ValiKom Transfer informiert und direkt bei meiner zuständigen IHK angerufen. Frau Prochotta, eine Mitarbeiterin der IHK, hat mir das Verfahren ausführlich erklärt. Alles lief sehr verständnisvoll und unkompliziert ab. Auch das Gespräch mit den Berufsexperten lief sehr harmonisch ab, mir wurde schon vorab meine Angst und Nervosität genommen.

Nun interessiert uns, wie Sie die Fremdbewertung empfunden und gemeistert haben, Frau Mashali?
Mahta Mashali: Die Fremdbewertung fand bei meinem Arbeitgeber statt und das war gut, denn so konnte mein Vorgesetzter sehen, wie umfangreich eine Fremdbewertung ist. Als ich ihm von meiner Teilnahme am Validierungsverfahren erzählt habe, war er zunächst skeptisch gegenüber dem Verfahren, da er noch nie etwas davon gehört hatte. Die Dauer und auch der Umfang haben ihm jedoch gezeigt, dass man wirklich sein Können unter Beweis stellen muss. Dass mir dies so gut gelungen ist, hat mich mächtig stolz gemacht. Generell war die Fremdbewertung anspruchsvoll, aber alle Aufgaben haben sich an meinem Arbeitsalltag orientiert.

Und wie geht es jetzt für Sie nach der erfolgreichen Validierung weiter?
Mahta Mashali: Dank des Zertifikats der IHK Region Stuttgart habe ich endlich einen Nachweis meiner beruflichen Kompetenzen erhalten. Aufgrund der Zertifizierung hat mir mein Arbeitgeber nun auch eine Vollzeitstelle angeboten. Außerdem will die Geschäftsleitung mir eine Weiterbildung ermöglichen und unterstützt mich bei allem Weiteren. Und ich habe das Verfahren bereits einem Arbeitskollegen empfohlen.

Fachtagung: „Brennpunkt Fachkräftemangel – Kann Validierung eine Lösung sein?“

Das Erasmus+ Projekt DEValAT verbindet Einrichtungen aus Deutschland und Österreich, die ihre Erfahrungen zum Thema Validierung teilen und bündeln, um neue Impulse im deutschsprachigen Raum zu setzen. Im Rahmen dieses Projekts bringt sich ValiKom Transfer mit seiner Expertise bezüglich der Umsetzung von Validierungsverfahren ein. Um voneinander zu lernen, fand eine zweitägige Fachtagung am 10. und 11. Oktober 2023 in Linz mit den fünf Partnerorganisationen und Gästen statt. Dabei wurde der Frage nachgegangen, inwieweit mit der Validierung von informell erworbenen Kompetenzen dem aktuellen Fachkräftemangel entgegengewirkt werden kann. Die Teilnehmenden tauschten sich zu folgenden Inhalten während der Tagung aus:

  • Benefits der Validierung aus Sicht von Arbeitgeber*innen
  • Potentiale der Validierung aus Sicht von Arbeitnehmer*innen
  • Validierung - ein Weg zur Lösung der Fachkräfteproblematik?
  • Branchenspezifische Aspekte von Validierung

Als gemeinsames Fazit konnte festgehalten werden, dass die bisherigen Projekte, die in Deutschland und Österreich zur Validierung von beruflichen Kompetenzen aktiv sind, zielführend sind und einen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten. Allerdings fehlt in beiden Ländern aktuell eine rechtliche Grundlage, damit Validierung ein fester Bestandteil in den Berufsbildungssystemen wird und ein dauerhaftes Angebot geschaffen werden kann.

Es handelt sich bei dieser Veranstaltung um die erste von zwei geplanten Projekttagungen. Ende Januar 2024 findet die zweite Tagung in München statt.

Zusammenarbeit zwischen den Arbeitsagenturen und ValiKom Projektkammern: Erstes Zwischenfazit fällt positiv aus

Seit April läuft die erste Erprobungsphase einer engeren Zusammenarbeit zwischen Arbeitsagenturen (AA), Jobcentern (JC) und Projektkammern (berichtet im Newsletter 02/2022). Das Ziel des Vorhabens ist, Erkenntnisse zu sammeln, wie eine zielgerichtete Zusammenarbeit zwischen Kammern und Arbeitsagenturen bzw. Jobcentern etabliert werden kann. Anfang Juli fanden nun in den drei Regionen, in denen die Zusammenarbeit erprobt wird, digitale Workshops statt, in welchen die Vermittlungsfachkräfte der Arbeitsagenturen und Jobcenter sowie die Kammermitarbeitenden von ihren bisherigen Erfahrungen berichtet haben. Moderiert wurden die Workshops vom Forschungsinstitut für berufliche Bildung im Handwerk (FBH) – der wissenschaftlichen Begleitung des Projekts ValiKom Transfer.

Neben dem aktuellen Umsetzungsstand in den Regionen wurde sich auch darüber ausgetauscht, welchen Nutzen das Validierungsverfahren den Kund*innen der Arbeitsagenturen und Jobcenter bietet und wie die Arbeitsvermittler*innen diesen für die Kund*innen übersetzen können. Die Zusammenarbeit vor Ort sowie die Unterstützung der Vermittlungsfachkräfte durch die Kammern wurden sehr positiv bewertet.

Die Workshop-Teilnehmenden waren sich einig, dass ein Validierungsverfahren eine gute Chance bietet, arbeitslose Personen langfristig in den Arbeitsmarkt zu integrieren, da mit dem Verfahren die Kompetenzen einer Person transparent sichtbar gemacht werden und somit die Vermittlung in eine adäquate Beschäftigung leichter fällt. Allerdings ist es aktuell herausfordernd, die Kund*innen vom Nutzen eines Validierungsverfahrens zu überzeugen, da aufgrund der hohen Arbeitskräftenachfrage Kund*innen – auch im Helferbereich – sehr schnell wieder in Arbeit vermittelt werden können. Daher sehen sie oftmals nicht die Notwendigkeit, ihr Können mit einem Validierungsverfahren sichtbar zu machen. Gemeinsam wurden deshalb in den Workshops Ideen und Ansätze entwickelt, mit denen die Vermittlungsfachkräfte die Vorteile eines Validierungsverfahrens noch besser darstellen können. Ob diese Ideen Wirkung zeigen, werden die zweiten Workshops, die für das letzte Quartal 2022 geplant sind, zeigen.

Kurzinterviews für Einblicke in das Validierungsverfahren auf unseren Social-Media-Kanälen

In unserem Newsletter (01/2023) haben wir von den zahlreichen Validierungen, welche beim Unternehmen Prinovis GmbH & Co. KG stattfanden, berichtet. Dank der engagierten Mitarbeit der Bewerterinnen und Bewerter sowie des Kammermitarbeiters konnten 34 Maschinen- und Anlagenführer*innen, 14 Fachlagerist*innen und vier Kaufleute für Büromanagement das Validierungsverfahren durchlaufen. Um mehr über das Vorgehen, den zeitlichen Ablauf und die Organisation der Fremdbewertungen zu erfahren, fanden Videointerviews mit einer Berufsexpertin und einem -experten statt. Frau Carola Brandenburg sowie Herr Kai Mertig sprechen in den Kurzvideos von dieser intensiven Phase. Neben dieser Perspektive wird auch die Sicht der Teilnehmenden auf das Validierungsverfahren beleuchtet. Frau Sabine Graf und Herr Manfred Graf, beides jahrelange Mitarbeitende bei Prinovis, beschreiben, wie das Validierungsverfahren für sie ablief.

Insgesamt gibt es 14 Videointerviews, die ab Ende November wöchentlich auf Instagram und Facebook erscheinen.

Aktuelles

Im Rahmen des Projektes wird das Berufsangebot weiter ausgebaut.

Handwerkskammern können Teilnehmende jetzt zusätzlich zu den Referenzberufen:

  • Bäcker/in,
  • Beton- und Stahlbetonbauer/in,
  • Dachdecker/in,
  • Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk sowie
  • Hochbaufacharbeiter/in Schwerpunkt Beton- und Stahlbetonarbeiten

validieren.

 

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Diesem Ende wohnt ein neuer Anfang inne – Projektende ValiKom Transfer und Ausblick Servicestelle Validierung

9 Jahre, 32 Kammern, 47 Berufe und mehr als 3.500 durchgeführte Validierungsverfahren. Etwa 1.000 davon im Handwerk, 2.400 in Industrie und Handel und 100 in der Landwirtschaft. Die meisten Teilnehmenden erhielten am Ende ein Zertifikat, dass ihr berufliches Können belegt (volle oder teilweise Gleichwertigkeit). Nur in 62 Fällen konnte keine Gleichwertigkeit festgestellt werden. Der gefragteste Validierungsberuf war Kaufmann/frau für Büromanagement mit allein über 600 Verfahren. Danach folgen die Berufe Fachlagerist/in, Maschinen- und Anlagenführer/in und Friseur/in. Berichte darüber, was ein Validierungsverfahren für Teilnehmenden bedeutet und welche positiven Effekte und Wirkweisen sich aus Teilnehmenden- und Unternehmenssicht durch die Validierung ergeben können, können Sie hier nachlesen.

Um die Durchführung von Validierungsverfahren zu ermöglichen, wurden im Projekt viele Aufgabenpakete bearbeitet. Dazu zählten beispielsweise

  • Entwicklung eines Validierungsverfahrens inklusive Handlungsleitfäden für Kammern und Berufsexpert:innen
  • Erstellung und Abstimmung von Tätigkeitsprofilen für die einzelnen Berufe
  • Erstellung von Verfahrensdokumenten (z.B. Selbsteinschätzungsbogen)
  • Ansprache, Gewinnung und Begleitung von Teilnehmenden
  • Schulung von neuen Mitarbeitenden und Berufsexpert:innen

Auf diesen Arbeiten können die Kammern aus Handwerk, Industrie und Handel sowie der Landwirtschaft, die ab dem 01.01.2025 für die Durchführung von Verfahren zur Feststellung der individuellen beruflichen Handlungsfähigkeit zuständig sind, aufbauen.

Mit dem neuen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt „Servicestelle Validierung“ (Laufzeit: 01.11.2024 – 31.10.2026) erhalten die Kammern für zwei weitere Jahre Unterstützung beim Aufbau guter Strukturen für die Berufsvalidierung, die künftig in allen Berufen möglich sein wird. An dem neuen Projekt sind erfahrene ValiKom Transfer-Kammern (HWK Aachen, HWK für München und Oberbayern, HWK Koblenz, HWK Region Stuttgart, IHK Halle Dessau, IHK für München und Oberbayern, IHK Mittlerer Niederrhein, IHK Ostbrandenburg, IHK Südlicher Oberrhein, Niederrheinische IHK, LWK Nordrhein-Westfalen) beteiligt. Die Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks e. V. (LGH), die mit dem Westdeutschen Handwerkskammertag ValiKom Transfer geleitet hat, wird auch die Servicestelle koordinieren. Ebenso werden der Deutsche Handwerkskammertag (DHKT) und die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) erneut die strategische Steuerung und bildungspolitische Kommunikation zur Berufsvalidierung übernehmen. Besonders im Fokus der Servicestelle steht die Strukturschaffung für ein bundeseinheitliches Vorgehen, z.B. über die Bereitstellung von Verfahrensdokumenten und der Netzwerkaufbau, der den regelmäßigen Austausch zwischen den Kammern unterstützen soll.

Weitere Aufgaben sind der Know-How-Aufbau bei Kammern und Feststellungstandems, indem z.B. Schulungsmaterial für neue Mitarbeitende erarbeitet und zur Verfügung gestellt wird, und die Bekanntmachung des neuen Validierungsangebots z.B. durch Textbausteine, die die Kammern zur Erstellung von Flyern und Broschüren oder für Ihren Onlineauftritt nutzen können.

Als Servicestelle betreiben wir den Newsletter weiter und halten Sie über den aktuellen Stand auf dem Laufenden!

Tragen Sie zur Bekanntmachung des Validierungsverfahrens bei, indem Sie uns weiterempfehlen!

Um keine Neuigkeiten zu verpassen, folgen Sie uns auf Instagram, Facebook, LinkedIn und Xing!

Newsletter »Servicestelle Validierung« Ausgabe 01/2026

1. Aktuelles aus der Servicestelle Validierung: Ein Jahr fachliche und organisatorische Pionierarbeit

Nach gut einem Jahr Servicestelle Validierung ist es Zeit, einen Blick auf unsere bisherige Unterstützungsarbeit zu werfen. Im Mittelpunkt stand die Entwicklung grundlegender Strukturen, Arbeitsmaterialien und fachlicher Grundlagen, die Kammern und weitere zuständige Stellen bei der Vorbereitung und Durchführung von Validierungsverfahren unterstützen. Ziel war es, eine gemeinsame Orientierung zu schaffen und wichtige Schritte in die Umsetzungspraxis zu ermöglichen und zu begleiten.

Das gesetzlich verankerte Validierungsverfahren erfordert professionelle und rechtskonforme Verfahrensdokumente. Daher begann unsere Arbeit damit, in enger Abstimmung mit den Dachverbänden der Industrie- und Handelskammern (DIHK) und Handwerkskammern (DHKT) verständliche und zugleich rechtlich korrekte Vorlagen für alle zentralen Dokumente rund um das Validierungsverfahren zu entwerfen und den Kammern zur Verfügung zu stellen. Ergänzend dazu entstanden Materialien für die Beratung von Interessierten sowie Textbausteine für die Öffentlichkeitsarbeit, die die Kammern in ihrer Kommunikation nach außen unterstützen.

Um Know-how bei Kammern aufzubauen, haben wir ein umfangreiches Schulungsangebot entwickelt. In zwei Schulungsmodulen werden die zuständigen Stellen in die wesentlichen Grundlagen der Validierung – von der Beratung, über die Antragsprüfung, bis hin zur Bewertung und Ergebnismitteilung – eingeführt. Neben den Mitarbeitenden in den zuständigen Stellen müssen auch die Feststeller/-innen auf ihre Aufgaben im Rahmen des Validierungsverfahrens vorbereitet werden. Auch hier unterstützen wir, u.a. indem wir den Kammern ein passendes Schulungskonzept zur Verfügung stellen.

Parallel dazu haben wir methodische Grundlagen erarbeitet. Im Fokus stand hier die Entwicklung eines Konzepts zur Erstellung von Validierungsstandards. Der Validierungsstandard beschreibt die Methode, mit der die berufliche Handlungsfähigkeit festgestellt werden soll (= Feststellungsinstrumente) sowie den Umfang der Leistungen, die für die Feststellung der jeweiligen Ergebnisstufe (vollständig bzw. überwiegend vergleichbar) zu erbringen sind.

Aufbauend auf diesem Konzept haben wir die Entwicklung der ersten bundeseinheitlichen Validierungsstandards in den Berufen Friseur/-in, Elektroniker/-in, Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik und Gärtner/-in moderiert und begleitet. Zusammen mit den jeweiligen Sozialpartnern wurden hierbei Leitplanken für die Feststellung erarbeitet bzw. abgestimmt.

Auch Austausch und Vernetzung zwischen den zuständigen Stellen spielen eine wichtige Rolle. Wir organisieren und moderieren verschiedene Formate, in denen sich zuständige Stellen vernetzen und Erfahrungen aus der Vorbereitung und Durchführung von Validierungsverfahren austauschen können. Darüber hinaus bieten wir regelmäßige Fragestunden an, um Fragen aus der Umsetzungspraxis in den zuständigen Stellen aufzugreifen und Lösungsansätze zu diskutieren.

Neben der Unterstützung der zuständigen Stellen übernehmen wir auch Aufgaben in der übergreifenden Informations- und Vernetzungsarbeit. Dazu zählt der Austausch mit weiteren relevanten Akteuren. Beispielsweise haben wir in der Veranstaltungsreihe „Berufe Mystery“ der Bundesagentur für Arbeit das Validierungsverfahren vorgestellt, um Mitarbeitenden der Arbeitsagenturen und Jobcenter einen Einblick in Ablauf und Zielgruppe der Validierung zu geben. So können diese die Informationen direkt in ihre Beratungspraxis einbeziehen.

Die Nachfrage nach Validierungsverfahren nimmt bundesweit Fahrt auf und die zunehmenden Praxiserfahrungen aus den Kammern ermöglichen es uns, unsere Angebote kontinuierlich weiterzuentwickeln und zielgerichtet an aktuelle Bedarfe anzupassen. Wir freuen uns darauf, die zuständigen Stellen auch weiterhin verlässlich mit unserem Portfolio zu unterstützen sowie unsere Vernetzungs- und Koordinationsarbeit fortzuführen.

Einleitung

Liebe Leserinnen und Leser,

wir freuen uns, den ersten Newsletter der Servicestelle Validierung verschicken zu können!

Wir möchten Sie damit über Themen rund um das neue gesetzlich geregelte Validierungsverfahren auf dem Laufenden halten und Sie mit spannenden Einblicken versorgen.

Sie erhalten diesen Newsletter, da Sie sich schon während der Projektlaufzeit von „ValiKom“ für Validierungsverfahren interessiert und für den Newsletter angemeldet haben. Dieser wird von der Servicestelle Validierung weitergeführt. Sollten Sie kein Interesse mehr haben, können Sie sich jederzeit abmelden. Schreiben Sie uns dann bitte eine kurze Mail an validierung[ ät ]lgh.de.

Viel Spaß beim Lesen,

Ihre Servicestelle Validierung

2. Aus der Arbeit vor Ort: Erster Elektroniker von der Handwerkskammer Koblenz mit Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit validiert

Das erste auf gesetzlicher Grundlage durchgeführte Validierungsverfahren der Handwerkskammer (HWK) Koblenz wurde im Beruf Elektroniker/-in durchgeführt und mit dem Ergebnis „vollständige Vergleichbarkeit“ abgeschlossen. Gabriel Schäfer besitzt keinen anerkannten Berufsabschluss, aber viele Jahre Berufserfahrung als Elektroniker in der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik. Sein Wunsch war es, nach so vielen Jahren praktischer Tätigkeit, einen offiziellen Nachweis über seine beruflichen Fähigkeiten zu erhalten. Dadurch erhoffte er sich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt sowie eine stärkere Anerkennung seiner beruflichen Kompetenzen.

Auf Empfehlung seiner Beraterin bei der Bundesagentur für Arbeit informierte er sich bei der HWK Koblenz über das Validierungsverfahren und stellte anschließend einen Antrag auf Zulassung zum Verfahren. Parallel prüfte die Agentur für Arbeit die Möglichkeit, die Kosten des Validierungsverfahrens zu übernehmen. Da es Gabriel Schäfer mit Unterstützung der Agentur gelang, noch vor Beginn des Validierungsverfahrens einen Arbeitgeber zu finden, der ihn nach erfolgreichem Abschluss des Verfahrens einstellen würde, erhielt er die Förderzusage von der Arbeitsagentur.

Für die Feststellung der vollständigen Vergleichbarkeit seiner individuellen beruflichen Handlungsfähigkeit mit den Anforderungen des Referenzberufs Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik zeigte Gabriel Schäfer seine Kompetenzen drei Tage lang in handlungsorientierten, praxisnahen Aufgaben vor zwei Prüfern. Markus Caspers und Thorsten Schneiders sind Mitglieder des Gesellenprüfungsausschusses. Beide bereiteten das Verfahren mit großem Engagement vor, um sicherzustellen, dass die zu erfüllenden Aufgaben den Anforderungen des Ausbildungsberufsbildes entsprachen.

Am ersten Tag der Feststellung bekam Gabriel Schäfer den Arbeitsauftrag, eine Anlage der Energie- und Gebäudetechnik entsprechend eines Kundenauftrags zu installieren. Darauf bezogen wurde ein Fachgespräch geführt, in dem er unter anderem das methodische Vorgehen, die Auswahl der Komponenten und die Einhaltung relevanter Normen bei der Erstprüfung für eine neue Niederspannungsanlage erläuterte. Insgesamt hatte er zehn Stunden Zeit, diese Aufgabe zu bearbeiten.

Gabriel Schäfer meisterte das Verfahren, trotz Lampenfiebers, hervorragend. Das größte Lob erhielt er von Prüfer Markus Caspers: „Falls Sie noch einmal arbeitssuchend sein sollten, können Sie sich jederzeit bei mir melden. Ich stelle Sie ein. Sie haben hier eine sehr kompetente Leistung gezeigt.“

Im Anschluss an das Verfahren würdigte die HWK Koblenz Gabriel Schäfers Leistung: „Ein erfahrener Praktiker kann seine langjährige Berufserfahrung nun offiziell nachweisen.“, unterstreicht Stefan Gustav, Abteilungsleiter Internationale Berufsbildung, bei der HWK Koblenz. „Dieses Verfahren macht berufliche Fähigkeiten sichtbar und eröffnet Fachkräften neue Perspektiven. Menschen ohne Berufsabschluss haben höhere Chancen auf Einstellung, ein höheres Einkommen, Weiterbildungsperspektiven und sie erhalten durch das Zeugnis Wertschätzung und Selbstvertrauen in die eigene Berufserfahrung. Für Betriebe bietet die Validierung die Möglichkeit, engagierte Mitarbeiter gezielt zu fördern und Wertschätzung auszudrücken.“

Frohes neues Jahr

Das gesamte Team des Projekts ValiKom Transfer wünscht Ihnen Gesundheit, Glück und viele schöne Momente in diesem neuen Jahr. Auch 2022 möchten wir erfolgreiche Validierungsverfahren auf den Weg bringen, Menschen bei Ihrem beruflichen Werdegang unterstützen und diese Erfolge mit Ihnen teilen.

Bleiben Sie gesund!
Ihr Projektteam

Einleitung

In diesem Newsletter richten wir den Blick auf zwei Unternehmen und ihre Motivation, ihre Mitarbeitenden bei der Teilnahme am Validierungsverfahren zu unterstützen.

Dieser Frage ist auch das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) im Rahmen seiner wissenschaftlichen Begleitung des Projekts ValiKom Transfer durch eine Unternehmensbefragung nachgegangen. Festgestellt wurde, dass Unternehmen das Validierungsverfahren nutzen, um den Mitarbeitenden eine persönliche Anerkennung ihrer beruflichen Leistungen zukommen zu lassen. Bei den Personen, die das Validierungsverfahren mit Unternehmensunterstützung durchlaufen haben, handelt es sich häufig um Personen, zu denen eine langjährige, persönliche Beziehung besteht, die das Unternehmen fördern und unbedingt halten möchte, um so auch den eigenen Fachkräftebedarf sichern zu können.


Den gesamten Forschungsbericht können Sie hier nachlesen.

Fachkräftesicherung: Validierung als Chance zur beruflichen Entwicklung

Ein Ansatz, dem Fachkräftemangel in Deutschland entgegenzuwirken, ist es, das (verborgene) Potential in der Gruppe der sogenannten An- und Ungelernten zu heben. Für diejenigen Personen aus dieser Gruppe, die bereits über einschlägige Berufserfahrung in einem Tätigkeitsfeld verfügen, stellt die abschlussbezogene Validierung eine neue Möglichkeit dar, ihre beruflich erworbenen Kompetenzen im Hinblick auf einen Referenzberuf zertifizieren zu lassen und sie dadurch – für sich selbst und für andere – sichtbar zu machen.

Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitforschung durch das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) an der Universität zu Köln wurde deutlich, dass das erfolgreiche Durchlaufen des Validierungsverfahrens für die Teilnehmenden eine selbstwertsteigernde Erfahrung darstellt, aus der sie persönlich gestärkt und zukunftsoptimistisch herausgehen. Für einen Teil der Teilnehmenden werden dadurch weitere berufliche Entwicklungsschritte vorstellbar und v. a. dann umsetzbar, wenn sie von ihren Arbeitgebern oder anderen begleitenden Akteuren Zuspruch und Unterstützung erhalten.

Auch Unternehmen machen sich das Validierungsverfahren zunutze und setzen es beispielsweise zur gezielten Personalentwicklung ein. Unternehmen gaben bei den Befragungen außerdem an, dass sich die Unterstützung der Mitarbeitenden bei der Verfahrensteilnahme und die damit entgegengebrachte Anerkennung der Leistung positiv auf die Mitarbeiterbindung auswirkt.

Die wechselseitige Verbindung der Teilnehmenden- und Unternehmensperspektive kann als Win-Win-Wirkungspotenzial der Validierung veranschaulicht werden und zeigt, dass die berufsabschlussorientierte Validierung zur quantitativen und qualitativen Fachkräftesicherung beitragen kann.

Diese Erkenntnisse sind in einem Fachbeitrag über das im Projekt ValiKom Transfer erprobte Validierungsverfahren im Detail dargestellt. Der Beitrag ist im Online-Fachjournal Berufs- und Wirtschaftspädagogik - online (bwp@) im Januar 2024 erschienen. Verfasst wurde der Artikel vom Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) an der Universität zu Köln mit dem Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT).

Der Beitrag ist hier zu finden.

3. Stimmen aus der Praxis: Feststellerinnen und Feststeller

In der Rubrik „Stimmen aus der Praxis“ wollen wir Ihnen relevante Beteiligte im Validierungsverfahren vorstellen und sie selbst zu Wort kommen lassen. Den Anfang macht die Gruppe der Feststellerinnen und Feststeller.

Wer sind die Feststeller/-innen im Validierungsverfahren?

Feststeller/-innen sind erfahrene Prüfer/-innen der Kammern bzw. der zuständigen Stellen. Sie arbeiten in einem paritätisch besetzten Feststellungstandem, bestehend aus jeweils einem berufenen Mitglied der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmerseite. Im Validierungsverfahren nehmen sie eine neue Rolle ein: Jeweils eine Person übernimmt bei der Durchführung des Verfahrens die Bewertung der Leistungen des Teilnehmers oder der Teilnehmerin. Die andere Person unterstützt sie dabei, insbesondere durch die Dokumentation des Ablaufs und der dabei gemachten Beobachtungen.

Was sind die Aufgaben von Feststellerinnen und Feststellern?

Feststeller/-innen stellen den Umfang der individuellen beruflichen Handlungsfähigkeit der Teilnehmenden fest. Zu Beginn des Verfahrens verschaffen sich die Feststeller/-innen, z. B. in Form eines Vorgesprächs, einen Eindruck von der Berufserfahrung der Teilnehmenden und entwickeln darauf basierend praxisnahe Aufgaben, die sich an der Arbeitssituation der antragstellenden Person orientieren. Diese Aufgaben werden in der Feststellung eingesetzt, um z. B. durch Arbeitsproben, Fachgespräche oder Gesprächssimulationen zu ermitteln, ob und in welchem Umfang die berufliche Handlungsfähigkeit der Teilnehmenden mit den Anforderungen des Referenzberufs vergleichbar ist.

Peter Brendel ist für die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer als Feststeller für den Beruf Koch/Köchin tätig. Wir haben ihn gefragt: „Warum sind Sie Feststeller“?

"Wenn ich an die Validierung von gestern denke, macht es einfach Spaß und Freude zu sehen, wie Menschen, die ein Ziel haben, darauf hinarbeiten. Dass sie, unabhängig davon, ob sie eine Ausbildung haben, trotzdem so gut in ihrem Beruf sind und das dann auch zeigen. Denn es gibt ja viele Menschen, die in der Schule Probleme hatten und diesen Menschen hilft die Validierung unwahrscheinlich, trotzdem zu zeigen, was sie können.

Die vollständige Vergleichbarkeit zeigt: „Ich bin genauso gut, wie jemand, der eine Ausbildung genossen hat. Die habe ich eben – aus verschiedensten Gründen – nicht, aber ich kann meinen Beruf genauso gut erfüllen, und bin trotzdem «vollwertig»“. Viele haben ja ein Problem damit, wenn sie keinen Berufsabschluss haben, und fühlen sich damit ausgegrenzt – als sogenannte Hilfskraft – was wirklich nicht stimmt. Denn wenn jemand fünf-, sechs-, sieben-Jahre in dem Beruf arbeitet, hat er einen unwahrscheinlich starken Erfahrungsschatz. Und dieser Erfahrungsschatz und die damit verbundenen Kompetenzen werden dann mit der Validierung sichtbar gemacht."

Begleitforschung belegt Nutzen der Validierung für Beschäftigte und Arbeitgeber

Seit Projektbeginn werden Wirkungen und Nutzen des Validierungsverfahrens vom Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln (FBH) evaluiert. Erforscht wird beispielsweise, auf welche Art und Weise die Teilnehmenden von ihrer Verfahrensteilnahme profitieren und welchen Nutzen die an Validierungsverfahren beteiligten Unternehmen aus der Bewertung und Zertifizierung ihrer Mitarbeitenden ziehen können. Die zentralen Ergebnisse (Erhebungszeitraum November 2018 bis Mai 2021) werden nachfolgend kurz skizziert.

Ergebnisse aus Sicht der Teilnehmenden:
Es zeigt sich, dass das Durchlaufen des Verfahrens eine Chance zur persönlichen und fachlichen Weiterentwicklung bietet. Durch die Bewertung und Zertifizierung der beruflich erworbenen Kompetenzen erfahren die Teilnehmenden eine selbstwertsteigernde Erfahrung. Auch ein Jahr nach einer erfolgreichen Validierung sind die Teilnehmenden noch immer persönlich gestärkt und zukunftsoptimistisch. Für einige Teilnehmenden werden dadurch auch weiterführende Bildungs- und Qualifizierungswege denkbar. Wenn sie dabei von ihren Arbeitgebern oder anderen begleitenden Akteuren, wie z.B. Kammermitarbeitenden, Beratung und Unterstützung erhalten, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Weiterbildung auch umsetzen.

Ergebnisse aus Sicht der beteiligten Unternehmen:
Die Befragung von beteiligten Unternehmen zeigt, dass sie das Validierungsverfahren nutzen, um ihren meist langjährigen Mitarbeitenden ohne passenden Berufsabschluss ihre Wertschätzung zu zeigen und diesen weitere berufliche Entwicklungsschritte zu ermöglichen. Die entgegengebrachte Anerkennung sowie die Bestätigung des eigenen Könnens in Form eines Zertifikates wirkt sich positiv auf das Selbstvertrauen, die Zufriedenheit als auch Motivation der Mitarbeitenden aus. Das Validierungsverfahren trägt aus Unternehmersicht zu einem relevanten positiven Beitrag zur Personalentwicklung und Fachkräftesicherung bei.

Die Erhebung zeigt ebenfalls, dass die wertschätzende und kompetente Beratung durch die Kammermitarbeitenden und die Berufsexpert*innen dazu beiträgt, dass die Teilnehmenden positive Erfahrungen mit dem beruflichen Bildungssystem sammeln.

Die komplette Ergebniszusammenfassung der wissenschaftlichen Begleitforschung ist zu finden auf www.validierungsverfahren.de unter der Rubrik »Aktuelles – Downloadbereich«.

Personal binden und weiterentwickeln

Das Unternehmen Welser Profile GmbH, das Profillösungen aus Stahl, Edelstahl und Nichteisenmetallen fertigt, hat sich dafür entschieden, die Kammerinitiative „ValiKom Transfer“ zu nutzen, um die Personalentwicklung zu fördern und den Mitarbeitenden gegenüber Anerkennung und Wertschätzung auszudrücken. Viele der langjährigen Mitarbeitenden haben eine fachfremde oder gar keine Berufsausbildung, arbeiten jedoch wie eine Fachkraft im Unternehmen.

Markus Bormann, zuständig für die Unternehmenskultur und Organisationsentwicklung bei Welser Profile, stand uns für ein Interview zur Verfügung.

Wieso unterstützt Welser Profile seine Mitarbeitenden beim Durchlaufen des Validierungsverfahrens?
Markus Bormann: „Einer unserer Unternehmenswerte lautet: Die Weiterentwicklung unserer Mitarbeitenden zu stärken. Als wir vom Validierungsverfahren erfahren haben, stand schnell fest, dass dies genau zu unseren Werten passt und wir unsere Mitarbeiter*innen unterstützen möchten, den Wert ihrer Berufserfahrung sichtbar zu machen und sich darauf aufbauend weiterentwickeln zu können. Uns ist es sehr wichtig, in unsere Mitarbeitenden zu investieren, um so eine langfristige Beschäftigung im Unternehmen sicherzustellen. Daher versuchen wir durch eine breite interne Kommunikation auf das Verfahren aufmerksam zu machen und interessierte Mitarbeitende zu erreichen.

Aus Arbeitgebersicht: Wo sehen Sie den Vorteil der Teilnahme am Validierungsverfahren?
Markus Bormann: „Der ganze Validierungsprozess zieht sich nicht unnötig in die Länge. Wir freuen uns, wenn Mitarbeitende ihre beruflichen Kompetenzen validieren möchten, denn nur so kann Potential gefördert werden. Oftmals motiviert die erfolgreiche Teilnahme am Verfahren, weitere Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen, davon profitieren auch wir als Unternehmen.“

Wenn Sie an das Validierungsverfahren denken, was fällt Ihnen als erstes ein?
Markus Bormann: „Wir versuchen das erfolgreiche Durchlaufen des Validierungsprozesses mit einer kleinen Feierlichkeit zu honorieren. In diesem Rahmen gibt es für mich persönlich meist einen sehr besonderen Moment. Es ist der Moment, wenn die Mitarbeitenden voller Stolz vor uns stehen. Man sieht in ihren Augen, wie viel selbstbewusster sie agieren, weil sie die Validierung erfolgreich durchlaufen haben.“

Wie läuft eine Validierung konkret bei Ihnen ab?
Markus Bormann: „Validierungen finden bei uns vor allem im Produktionsumfeld statt, sprich für die Berufe Maschinen- und Anlagenführer*innen, Fachkräfte für Lagerlogistik und Fachlagerist*innen. Die Bewertung der beruflichen Kompetenzen erfolgt bei uns im Unternehmen. Das heißt, dass die Kammermitarbeiterin und die Berufsexperten zu uns kommen und die Mitarbeitenden z.B. an „ihrer“ Maschine zeigen, was sie können. Das ist ein großer Vorteil, denn so können sie in ihrer gewohnten Umgebung ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen.“

Wie geht es nach einer erfolgreichen Validierung für Ihre Mitarbeitenden weiter?
Markus Bormann: „Grundsätzlich versuchen wir allen Mitarbeitenden im Unternehmen Verantwortung zu übertragen und sie bei kleineren Projekten zu begleiten. Es kann jedoch sein, dass wir auf bestimmte Personen schneller aufmerksam werden und sie nach einer erfolgreichen Validierung so viel gezielter ansprechen können.“

Zum Schluss wollen wir gerne wissen, ob Sie das Validierungsverfahren anderen Unternehmen weiterempfehlen würden. Und ob Sie keine Angst haben, dass ihre Mitarbeitenden sich mit dem Validierungszertifikat wegbewerben.
Markus Bormann: „Das Validierungsverfahren ist ein hervorragendes Instrument für Unternehmen, um das Potential der Mitarbeitenden aufzudecken. Das Validierungszertifikat bedeutet große Wertschätzung für die Angestellten und die Mitarbeitenden haben ihre beruflichen Kompetenzen auf diese Weise dokumentiert. Man kann nie ausschließen, dass sich Mitarbeitende wegbewerben, ob mit oder ohne das Validierungszertifikat. Wir gehen aber davon aus, dass man den Ruf eines guten Arbeitgebers nur bekommt, wenn man in seine Arbeitnehmer *innen investiert. Spricht es sich herum, dass ein Unternehmen die Beschäftigten fördert, dann bewerben sich mit der Zeit auch neue Mitarbeitende.“

Kompetenzprofil für Validierungsberater*innen veröffentlicht

Das Projekt ValiKom Transfer wird seit Projektbeginn vom Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) wissenschaftlich begleitet und hat bereits viele verschiedene Aspekte beleuchtet. Im letzten Jahr lag der Fokus auf der Validierungsberatung. In diesem Zusammenhang hat das FBH gemeinsam mit einigen Projektmitarbeiterinnen ein Kompetenzprofil für Validierungsberater*innen erarbeitet, das nun veröffentlicht wurde. Anlass für die Erstellung des Kompetenzprofils war die Erkenntnis, dass die Beratung in einem Validierungsverfahren einen hohen Stellenwert einnimmt und eine professionelle und wertschätzende Beratung maßgeblich dazu beiträgt, dass die Teilnehmenden das Validierungsverfahren erfolgreich durchlaufen. Gleichzeitig zeigte die Analyse der Aufgaben der Validierungsberater*innen auch, dass diese sehr umfangreich sind und dafür vielfältige Kompetenzen nötig sind.

Das neu entwickelte Kompetenzprofil umfasst die wesentlichen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse, die für ein professionelles Handeln notwendig sind und soll dabei helfen, diese sichtbar zu machen. Neben der gezielten Förderung von Kompetenzen kann das Kompetenzprofil auch als wirksames Instrument in der Personalgewinnung und -entwicklung eingesetzt werden.

 

Das Kompetenzprofil finden Sie hier.

Details der Analyse zur Bedeutung und Qualität der Beratung können dem Bericht „Wir gehen den Weg gemeinsam“ – Beratung im Validierungsverfahren entnommen werden.

Viel Anerkennung für ValiKom in der neuen Broschüre

Auch die neue Broschüre „Berufsabschlussbezogene Validierung – Berufskompetenzen sichtbar machen!“, die im Dezember 2021 veröffentlicht wurde, fokussiert sich auf die Auswirkungen des Validierungsverfahrens. Sie illustriert anschaulich die Bedeutung und den Nutzen des Validierungsverfahrens für den Arbeitsmarkt.

Neben führenden Arbeitgeber- und Verbandsvertreter*innen melden sich weitere bildungspolitische Akteure, die das Projekt seit Anfang an begleiten, zu Wort und erläutern die Vorteile des Verfahrens aus ihrer Sicht. Außerdem werden zahlreiche Beispiele aus der Praxis dargestellt, um die bereits erzielten Effekte zu skizzieren.

Die Borschüre ist zu finden auf www.validierungsverfahren.de unter der Rubrik »Aktuelles – Downloadbereich«.

Mitarbeitenden etwas Handfestes mitgeben

Das Unternehmen Prinovis GmbH & Co. KG hat letztes Jahr über 50 Mitarbeitende beim Durchlaufen des Validierungsverfahrens unterstützt. Ein Großteil der Belegschaft war jahrelang für das Unternehmen tätig, jedoch ohne einen formalen Berufsabschluss im ausgeübten Beruf zu haben. Daher war es der Geschäftsleitung ein wichtiges Anliegen, ihren Mitarbeitenden vor der Schließung des Unternehmensstandortes in Dresden eine Hilfestellung bei der Suche nach einer neuen Beschäftigung zu geben.


Bei ihrer Recherche stieß Prinovis auf das breite Angebotsspektrum der IHK Dresden und erkundigte sich, ob es eine passende Möglichkeit für die Mitarbeitenden gibt. So wurde das Unternehmen auf das Validierungsverfahren aufmerksam. Gemeinsam führte der Projektverantwortliche der IHK Dresden mit der Geschäftsleitung eine Infoveranstaltung im Betrieb durch, um die Belegschaft über das Verfahren zu informieren. Die Resonanz war mehr als positiv, über 60 Beschäftigte hatten ihr Interesse am Verfahren bekundet. Durch das große Engagement der Bewerter und Bewerterinnen und des Kammermitarbeiters konnten zwischen Juni und Dezember 2022 insgesamt 52 Verfahren in drei Berufen durchgeführt werden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die IHK Dresden konnte 34 Maschinen- und Anlagenführer*innen, 14 Fachlagerist*innen und vier Kaufleuten für Büromanagement bescheinigen, dass ihre Kompetenzen voll oder teilweise mit den Kompetenzen einer ausgebildeten Fachkraft übereinstimmen.

Validierungsangebot wird ausgeweitet

  • Mit der Projektverlängerung werden zwei neue Validierungsstandorte aufgebaut. Die Handwerkskammer Dortmund und die Handwerkskammer Potsdam sind nun ebenfalls Teil des Projektes.
  • Der Ausbau und die Aktualisierung des Berufsangebots schreiten voran. Validierungen sind nun auch in dem Beruf Landwirt/-in möglich.

 

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Aktuelles

  • Die rechtliche Verankerung eines Feststellungsverfahrens der individuellen beruflichen Handlungsfähigkeit (Validierung) wurde am 7. Februar 2024 durch das Bundeskabinett mit dem Entwurf eines Berufsbildungsvalidierungs- und -digitalisierungsgesetzes (BVaDiG) beschlossen. Den Regierungsentwurf (Kabinettsfassung) finden Sie hier. Anbei auch die Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie die Pressemitteilung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) und das Statement des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) dazu.
     
  • Im Januar wurden zum ersten Mal im Referenzberuf ‚Augenoptiker/in‘ berufliche Kompetenzen bewertet. Durchgeführt wurde das Validierungsverfahren bei der Handwerkskammer Koblenz. Die Teilnehmerin zeigte bei der Fremdbewertung erfolgreich ihr berufliches Können, das sie sich über 20 Jahre angeeignet hat, und erhielt im Anschluss ihr Validierungszertifikat.

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Bewertung von Berufskompetenzen

Herzstück des Validierungsverfahrens, mit dem berufliche Kompetenzen bewertet und zertifiziert werden, ist die sogenannte Fremdbewertung. Damit stellen Berufsexperten und -expertinnen fest, ob die Teilnehmenden die notwendige Handlungskompetenz für die Ausübung eines bestimmten Berufes besitzen.

Um die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse, die für die Berufsausübung benötigt werden, zu bewerten, werden verschiedene Instrumente eingesetzt:

  • Arbeitsprobe,
  • Fachgespräch,
  • Fallstudie,
  • Präsentation,
  • Probearbeiten im Betrieb,
  • Rollenspiel/Gesprächssimulation

Das Fachgespräch wird typischerweise eingesetzt, um festzustellen, ob die Teilnehmenden über die nötigen Kenntnisse – also das berufsspezifische Handlungswissen – verfügen. Aber auch mit einer Arbeitsprobe, bei der besonderes Augenmerk auf motorische Fähigkeiten gelegt wird, kann zum Teil Fachwissen nachgewiesen und bewertet werden, denn bei der Ausführung von Tätigkeiten wird immer auch auf vorhandenes Wissen zurückgegriffen.

Beispielsweise muss ein Friseur beim Haarefärben nicht nur die Einwirkzeiten der einzelnen Produkte kennen, sondern auch wissen, ob sie für die Haarstruktur der Kundin geeignet sind. Der Einsatz von geeigneten Produkten und die richtige Handhabung der Produkte während einer Arbeitsprobe zeigt also, ob das erforderliche Fachwissen für eine sachgerechte Berufsausübung vorhanden ist.

 

Das Projekt »Servicestelle Validierung« stellt sich vor

Am 1. August 2024 ist das Berufsbildungsvalidierungs- und -digitalisierungsgesetz (BVaDiG) in Kraft getreten. Dieses hat eine bedeutende Erweiterung im bestehenden Berufsbildungsgesetz (§§ 50b ff. BBiG) und in der Handwerksordnung (§§ 41b ff. HwO) mit sich gebracht:
Die Einführung des Validierungsverfahrens, ein Verfahren zur Feststellung und Bescheinigung der individuellen beruflichen Handlungsfähigkeit am Maßstab eines anerkannten Ausbildungsberufs. Die dazugehörige Verfahrensverordnung (Berufsbildungsfeststellungsverfahrensverordnung), die wichtige Regelungen zur Durchführung des Validierungsverfahren enthält, lag im November 2024 vor.

Die Servicestelle Validierung unterstützt - gefördert mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW - bundesweit die Handwerkskammern (HWKn), Industrie- und Handelskammern (IHKn) und Landwirtschaftskammern (LWKn) bzw. zuständige Stellen der Land- und Hauswirtschaft, das neue gesetzlich geregelte Validierungsverfahren (gem. §§ 50b ff. BBiG / §§41b ff. HwO) einzuführen und aufzubauen.

Im Fokus stehen die Strukturschaffung für ein bundeseinheitliches Vorgehen, z.B. über die Bereitstellung von Verfahrensdokumenten und der Netzwerkaufbau, der den regelmäßigen Austausch zwischen den Kammern unterstützen soll.

Darüber hinaus bieten wir Informationsveranstaltungen und Schulungen für Mitarbeitende der zuständigen Stellen an. Unsere Themen waren bisher unter anderem:

  • Allgemeiner Verfahrensablauf
  • Beratung und Antragsprüfung
  • Schaffung von bundesweiten Validierungsstandards
  • digitale Fragerunden

Die Servicestelle Validierung besteht aus 11 Kammern (6 IHKn, 4 HWKn, 1 LWK) und der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks e.V. (LGH), die die Koordination übernimmt. Unterstützt werden wir vom Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) an der Universität zu Köln, das sich insbesondere um die Thematik der Ausgestaltung der Validierungsstandards inklusive Feststellungsinstrumente kümmert.

Wir arbeiten eng mit dem Deutschen Handwerkskammertag (DHKT) und der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) zusammen, die für die strategische Steuerung und Kommunikation bei der Umsetzung von Validierungsverfahren verantwortlich sind.

Die Beratung zum Validierungsverfahren und seine Durchführung sind keine Aufgaben der Servicestelle, sondern hoheitliche Aufgabe der zuständigen Stellen vor Ort.

4. Häufige Fragen zum Validierungsverfahren

In welchen Berufen ist ein Validierungsverfahren möglich?

Die Feststellung der individuellen beruflichen Handlungsfähigkeit (Validierung) erfolgt stets am Maßstab eines in Deutschland anerkannten Ausbildungsberufs. So wird sichergestellt, dass Kompetenzen und Fertigkeiten, die eine Person bereits mitbringt, mit den Qualifikationsanforderungen eines geregelten Berufsprofils abgeglichen werden. Grundlage dafür bilden die jeweils gültigen Ausbildungsordnungen sowie die darin enthaltenen Kompetenzbeschreibungen.

Da die Feststellung der individuellen beruflichen Handlungsfähigkeit rechtlich im Berufsbildungsgesetz (BBiG) und in der Handwerksordnung (HwO) geregelt ist, ist eine Validierung für alle Referenzberufe möglich, die bundeseinheitlich nach BBiG bzw. HwO geregelt sind. Von diesen Berufen sind landesrechtlich geregelte Berufe abzugrenzen. Viele vollzeitschulische Gesundheits- und Pflegeberufe, wie z. B. medizinisch-technische oder therapeutische Assistenzberufe, werden durch das Landesrecht geregelt. Auch wenn diese Ausbildungen fachlich anspruchsvoll, gesellschaftlich relevant und unverzichtbar im Gesundheitssystem sind, ist eine Teilnahme an Validierungsverfahren nach dem Berufsbildungsgesetz oder der Handwerksordnung ausgeschlossen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten herauszufinden, für welche Ausbildungsberufe ein Validierungsverfahren durchlaufen werden kann:

Eine wichtige Orientierung bietet das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). In seiner jährlich aktualisierten Publikation „Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe“ findet sich eine alphabetische Liste aller anerkannten Ausbildungsberufe (https://www.bibb.de/de/65925.php) Alternativ kann man auch die „Berufesuche“ des BIBB nutzen: https://www.bibb.de/dienst/berufesuche/de/index_berufesuche.php

Wer ist für meinen Beruf zuständig?

Das „Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe“ des BIBB (s. vorherige Frage) listet für alle Ausbildungsberufe unter Kapitel 4 „Verzeichnis der zuständigen Stellen“ auch die jeweils zuständige Stelle nach Berufsgruppen und Bundesland auf. Neben Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern und Landwirtschaftskammern gibt es also weitere zuständige Stellen, die auch für die Validierung verantwortlich sind:

  • im öffentlichen Dienst von Bund und Ländern,
  • im kirchlichen Bereich (Evangelische und Katholische Kirche),
  • für die Berufsbildung von Fachangestellten im Bereich Rechtspflege,
  • in der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung,
  • für Berufe im Gesundheitsdienst.

Die Publikation kann auf der Website des BIBB unter dem nachfolgenden Link kostenfrei heruntergeladen werden: https://www.bibb.de/de/65925.php.

Auch über die nachfolgenden Websites kann die Kammer vor Ort ermittelt werden:

 

Bewertungsverfahren der HWK Mittelfranken in besonderem Umfeld

Zwei Kandidaten, zwei Maler-und Lackierermeister als Berufsexperten, die Kammermitarbeiterin – eine ganz normale Validierung, wären da nicht hohe Mauern und Stacheldraht: Wir befinden uns inder Justizvollzugsanstalt (JVA) Nürnberg. Die Teilnehmer am Validierungsverfahren sind Insassen im Strafvollzug.

Die Frage, wo Menschen mit Berufserfahrung, aber ohne Abschluss zu finden sind, führte Nina Kielmann, Projektmitarbeiterin bei der Handwerkskammer für Mittelfranken, ins Gefängnis: Viele der Inhaftierten haben die Schule oder eine Ausbildung abgebrochen, haben mal hier, mal dort gejobbt. Und doch haben sie sich im Berufsleben Kompetenzen angeeignet, die ein Validierungsverfahren sichtbar machen kann. „Für den einen oder anderen kann ein Zertifikat der Handwerkskammer bei der Bewerbung sicherlich hilfreich sein. So hat er vielleicht eine bessere Chance auf dem Arbeitsmarkt und kann den Kreislauf von Job – Drogen – Gefängnis durchbrechen,“ so Herr Schönfelder, Leiter des Werkdienstes in der JVA Nürnberg.

Unsere zwei Kandidaten zeigen in der Malerwerkstatt in der JVA ihr Können. Maler- undLackierermeister Günther Federl, Ausbilder im Bildungszentrum der Handwerkskammer für Mittelfranken, sowie Herbert Wahner, Maler-und Lackierermeister im Werkdienst in der JVA Nürnberg, beobachten sie dabei genau. Denn: „Wir tragen hier eine große Verantwortung. Wenn wirdie Kenntnisse bescheinigen, dann sollen sich die Betriebe draußen auch sicher sein, dass derTeilnehmer dies auch wirklich kann. Durchwinken gibt es nicht“, sagt Günther Federl. Eigentlich doch eine ganz normale Validierung, nur dass eben alle Verfahrensschrittein der JVA stattfinden – vorangegangen ist die Beratung der Interessierten durch die Kammermitarbeiterin.

Ist eine Validierung sinnvoll? Reicht die Berufserfahrung – und die Motivation? Das Ausfüllen desSelbsteinschätzungsbogens sowie die sorgfältige Erstellung eines Lebenslaufs stellen für den einen oder anderen Straffälligen bereits eine Hürde dar und lässt die Motivation sinken. Die eigenen Kenntnisse werden manchmal überschätzt oder man will sich bei der Fremdbewertung keine Blöße geben. Die Validierungsverfahren der Kammer sind immer ein freiwilliges Angebot – die Personen entscheiden selbst, ob sie es nutzen wollen oder nicht.

 

Beitrag zum ersten durchgeführten Feststellungsverfahren (Validierungsverfahren) in Mannheim

„Brief und Siegel für praktisch erworbene Kochkunst“
Heidelberger Koch absolviert bundesweit erstes IHK-"Feststellungsverfahren"

https://www.ihk.de/rhein-neckar/servicemarken/presse/pi/pi-aktueller-monat/presseinfo-erstes-feststellungsverfahren-6489948

Die Servicestelle Validierung auf dem Fachkräftekongress 2025

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hatte zum Austausch über Fachkräfteentwicklung und Fachkräftesicherung eingeladen. Und ca. 700 Interessierte aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft waren am 25. Februar 2025 der Einladung nach Berlin gefolgt. Die Servicestelle Validierung hat die Chance genutzt und das Feststellungsverfahren (Validierungsverfahren) in der sehr gut besuchten Session des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) „Berufe modern gestalten – Qualifikationen anerkennen“ vorgestellt.

Die Session umfasste, dem Titel der Veranstaltung folgend, zwei direkt aneinander anschließende Workshops. Das Feststellungsverfahren war gemeinsam mit dem Anerkennungsverfahren dem zweiten Workshop „Qualifikationen anerkennen“ zugeordnet. Christoph Acker (Bundesministerium für Bildung und Forschung) führte darin durch den Teil „Feststellungsverfahren“ und stellte dessen Intention sowie die Förderungen des BMBF für die Projekte ValiKom (Transfer) und Servicestelle Validierung vor. Zum konkreten Ablauf von Validierungsverfahren interviewte er Frau Dr. Kathrin Rheinländer von der Servicestelle Validierung (Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau). Sie stellte das Verfahren in den Schritten Information und Beratung, Antragstellung, Bewertung sowie Ergebnismitteilung vor. Mit Rückblick auf die ValiKom-Projekte konnte sie ein Bild von der Vielfältigkeit der Zielgruppe zeichnen und Einblicke in die Bewertung der individuellen beruflichen Handlungsfähigkeit geben. Hierzu wurde auch Andreas Hildebrandt von der Heraeus Quarzglas Bitterfeld GmbH & Co. KG befragt, der als Berufsexperte im Projekt ValiKom Transfer tätig war. Darüber hinaus haben sieben Mitarbeitende seines Unternehmens in den Berufen Maschinen- und Anlagenführer und Fachkraft für Lagerlogistik über das Projekt ValiKom Transfer erfolgreich ein Validierungsverfahren absolviert. Aus diesen Erfahrungen heraus konnte er interessante Einblicke in den Nutzen, den Validierungen sowohl für die Mitarbeitenden als auch für das Unternehmen gebracht haben, geben. Er berichtete insbesondere von gestiegener Mitarbeitermotivation und weiterführenden Qualifizierungsmaßnahmen, wie der Ausbildereignungsprüfung. So konnten sich die Mitarbeitenden persönlich weiterentwickeln und neue Aufgaben im Unternehmen übernehmen.

Anschließend wurde die Zeit genutzt, um Fragen zu beantworten, sich auszutauschen und zu vernetzen. Der Tag hat gezeigt, wie präsent das Fachkräftethema aktuell in der Wirtschaft ist und dass Validierungsverfahren einen, mit dem BVaDiG nun rechtlich aufgewerteten, Teil der Strategie zur Fachkräftesicherung darstellen.

Aus der Arbeit vor Ort

In der Rubrik „Aus der Arbeit vor Ort“ wollen wir künftig über unterschiedliche Aspekte aus der Umsetzungspraxis von Validierungsverfahren berichten.

Da das neue Verfahren zur Feststellung der individuellen beruflichen Handlungsfähigkeit (Validierungsverfahren) erst seit dem 1. Januar 2025 möglich ist, wurde das Verfahren bislang noch nicht von vielen Personen nachgefragt und erst in Einzelfällen vollständig durchlaufen. Der Schwerpunkt der Arbeit in den zuständigen Stellen lag bislang auf der Schaffung von rechtlichen, administrativen und personellen Voraussetzungen für die praktische Umsetzung der neuen Regelungen. Die vielfältigen Aufgaben zur Umsetzung eines nahezu ohne Übergangsfristen eingeführten Validierungsverfahrens für alle anerkannten Ausbildungsberufe binden ein hohes Maß an Ressourcen in den Kammern. Für bestimmte Aufgaben, wie z. B. für den notwendigen Erlass von Verfahrensregelungen in jeder Kammer, findet eine Koordination über bundesweite Arbeitskreise der Dachverbände statt. Eine Vernetzung und der Austausch unter den zuständigen Stellen finden darüber hinaus auch in regionalen Arbeitsgruppen statt. Die Servicestelle Validierung bringt sich in die neuen Netzwerke ein und unterstützt wie oben beschrieben.

Newsletter »Servicestelle Validierung« Ausgabe 02/2024

Einleitung

Liebe Leserinnen und Leser,

erfahren Sie in unserem Newsletter, wie der berufliche Aufstieg eines Mitarbeiters durch das Validierungsverfahren gelungen ist, welche betrieblichen Vorteile sich aus dem Validierungsverfahren ergeben und wie eine spannende Kampagne der Europäischen Kommission berufliche Kompetenzen würdigt. Zusätzlich halten wir Sie über den aktuellen Stand der Gesetzgebung zum Validierungsverfahren auf dem Laufenden und präsentieren Ihnen unsere neue Social-Media-Reihe.

Pilotprojekt: Zusammenarbeit zwischen Arbeitsagenturen und ValiKom-Projektkammern

In Form eines Pilotprojektes wird an ausgewählten Standorten (Ahlen, Bielefeld, Münster, Neuruppin, Potsdam und Stuttgart) eine engere Zusammenarbeit zwischen Arbeitsagenturen, Jobcentern und Projektkammern erprobt. Das Ziel des Vorhabens ist, Erkenntnisse zu sammeln, wie eine zielgerichtete Zusammenarbeit zwischen Kammern und Arbeitsagenturen bzw. Jobcentern etabliert werden kann, um die Arbeitsmarktchancen von arbeitslosen Personen zu erhöhen und eine gezieltere Weiterentwicklung zu ermöglichen. Das Pilotprojekt wird wissenschaftlich begleitet, um die Erfahrungen, die die beteiligten Akteure während der Zusammenarbeit sammeln, strukturiert zu dokumentieren, auszuwerten und ggf. Optimierungsbedarf sowie Handlungsempfehlungen ableiten zu können.

Die Vorbereitungsphase ist abgeschlossen und ein gemeinsamer Auftaktworkshop mit allen Beteiligten fand bereits am 9. Februar 2022 online statt. Die erste Erprobungsphase läuft von April bis voraussichtlich Dezember 2022, währenddessen verweisen die teilnehmenden Arbeitsagenturen als auch Jobcenter ausgewählte Kund*innen an die entsprechenden Kammern.

„Validierung als (zweite) Chance zur beruflichen Entwicklung“ – aktuelle Erkenntnisse über die Teilnehmenden am Validierungsverfahren

Seit Projektbeginn werden Wirkungen und Nutzen des Validierungsverfahrens vom Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln (FBH) evaluiert. Erforscht wird beispielsweise, auf welche Art und Weise die Teilnehmenden von ihrer Verfahrensteilnahme profitieren und welchen Nutzen beteiligte Unternehmen aus der Bewertung und Zertifizierung ihrer Mitarbeitenden ziehen können.

Für den Zeitraum Juli 2021 bis April 2023 liegen nun weitere Ergebnisse aus der Befragung von Teilnehmenden mittels Onlinefragebogen und vertiefenden Interviews vor. Diese zeigen, dass die Teilnehmenden mit der Begleitung während des gesamten Verfahrens durch die Kammermitarbeitenden und Berufsexpert*innen (sehr) zufrieden sind. Dies ist laut Aussage der Teilnehmenden auf die gute und wertschätzende Kommunikation der Berater*innen und Bewerter*innen zurückzuführen und stellt somit ein Erfolgsfaktor im Validierungsverfahren dar.
Die Zertifizierung der beruflichen Kompetenzen ist für die Teilnehmenden eine selbstwertsteigernde Erfahrung, die den Blick für neue Möglichkeiten der beruflichen Weiterentwicklung weitet. Die Weiterentwicklung kann auf verschiedene Weise erfolgen. Beispielsweise durch eine gezielte Vorbereitung auf die Fremdbewertung z. B. mit Fachbüchern und der anschließende Transfer des neu erworbenen bzw. aufgefrischten Wissens in die Arbeitspraxis.

Zudem gab knapp die Hälfte der Befragten an, dass sie planen, sich nach der Validierung weiterzubilden, beispielsweise in Form einer Anpassungsqualifizierung, dem Nachholen eines Berufsabschlusses (Externenprüfung) oder der Teilnahme an einer fachlichen Weiterbildungsmaßnahme.

Das Zertifikat wird von den Teilnehmenden also nicht nur als Bestätigung des eigenen Könnens gesehen, sondern es kann auch ein Türöffner zur beruflichen Weiterbildung sein.

Personal binden und weiterentwickeln: Erfolgsgeschichte eines Mitarbeiters von einem kommunalen Bauhof

Nicht nur in der freien Wirtschaft, auch im öffentlichen Dienst spielen die Anerkennung von im Arbeitsleben erworbenen beruflichen Kompetenzen eine wichtige Rolle für die Förderung von Beschäftigten. Ein kürzlich geführtes Interview mit Herrn Joerg Fathke, ehemaliger Teilnehmer des Validierungsverfahrens und dem unterstützenden Arbeitgeber, Bürgermeister Mario Szlezak, beleuchtet die positiven Auswirkungen des Verfahrens für beide Seiten.  

Joerg Fathke hat im Jahr 2023 seine berufliche Karriere mit neuem Schwung gestaltet, nachdem er das Validierungsverfahren im Referenzberuf "Straßenbauer" bei der Handwerkskammer Oldenburg erfolgreich abgeschlossen hatte. Ursprünglich als Kaufmann für Büromanagement ausgebildet, entschied er sich nach Abschluss seiner Ausbildung, eine völlig neue Richtung einzuschlagen und arbeitet seither im Bauhandwerk, zuerst in der Privatwirtschaft und später bei der Gemeinde Wangerland. „Meiner Erfahrung nach spielen im Bau Zeugnisse und Zertifikate keine so große Rolle. Bei mir wurde eher darauf geachtet, dass ich mein Können zeige“, so Herr Fathke. Der fehlende Berufsabschluss wurde erst dann zum Problem, als er innerhalb der Kommune in einen anderen Bereich wechseln wollte. Denn beim kommunalen Bauhof werden nur Fachkräfte beschäftigt. Aus diesem Grund nahm er am Validierungsverfahren teil und bekam anschließend das Validierungszertifikat der Handwerkskammer Oldenburg überreicht. Dieses bescheinigt ihm, dass seine erworbenen beruflichen Kompetenzen denen einer ausgebildeten Fachkraft im Straßenbau entsprechen.

Mit dem Validierungszertifikat öffneten sich beruflich weitere Türen. Herr Fathke übt mittlerweile seinen Traumjob aus, denn er ist nun als stellvertretender Bauhofleiter tätig. Das Validierungsverfahren führte zur Stärkung des Selbstwertgefühls und bekräftigte Joerg Fathke darin, den Lehrgang ‚Vorarbeiter im Tiefbau‘ zu absolvieren, den er im Januar 2024 erfolgreich abgeschlossen hat.

Auch Mario Szlezak, Bürgermeister der Gemeinde Wangerland, betont die Bedeutung des Validierungsverfahrens für den beruflichen Aufstieg des Mitarbeiters. Aufgrund des Validierungszertifikats war die Übernahme neuer beruflicher Aufgaben durch Herrn Fathke möglich und damit verbunden eine höhere Eingruppierung. Bürgermeister Mario Szlezak betrachtet die Entwicklung von Herrn Fathke nicht nur als einen positiven Einzelfall, sondern erkennt den umfassenden Nutzen des Validierungserfahrens. Herr Szlezak weiß, wie wichtig die Förderung der persönlichen sowie beruflichen Entwicklung der Mitarbeitenden für eine langfristige Mitarbeiterbindung ist. „Die Validierung von Berufserfahrung ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die Mitarbeiterabwanderung. Indem man die Mitarbeitenden bei der Teilnahme unterstützt, steigert man ihre Arbeitszufriedenheit und Motivation. Ich setze darauf, die Mitarbeitenden zu fördern und zu fordern und das gelingt mit dem Validierungsverfahren recht gut“, sagt Mario Szlezak.

Erfolgsgeschichte: Falko Will berichtet im Interview von seiner positiven Erfahrung

Falko Will aus Wuppertal hat das Validierungsverfahren für den Referenzberuf `Kraftfahrzeugmechatroniker` durchlaufen, um seine im Arbeitsleben erworbenen beruflichen Kompetenzen offiziell bescheinigt zu bekommen und damit noch bessere Chancen bei Bewerbungen zu haben. Lesen Sie im Interview seine Erfolgsgeschichte.

Herr Will, erzählen Sie uns etwas zu Ihrem beruflichen Werdegang?

Falko Will: Vor 15 Jahren habe ich eine klassische Ausbildung zum Fahrzeuglackierer absolviert. Bei meiner Arbeitsstelle übe ich jedoch täglich Tätigkeiten aus drei Berufen aus, nämlich Arbeiten eines Kraftfahrzeugmechatronikers, des Karosserie- und Fahrzeugbaumechanikers sowie des Fahrzeuglackierers. Bei uns in der Werkstatt nehmen die Kunden beispielweise nach einem Unfall alle drei Leistungen in Anspruch. So kommt es, dass ich seit 14 Jahren in drei Berufen tätig bin.

Wie sind Sie auf das Validierungsverfahren aufmerksam geworden? Welche Gründe haben Sie motiviert?

Falko Will: Ich habe eine sehr attraktive Stellenanzeige gesehen und habe mich auf diese beworben. Der potenzielle Arbeitgeber hat mich nach einer offiziellen Bestätigung meiner Mechatronik-Kenntnisse gefragt, diese hatte ich jedoch nicht schriftlich. Also habe ich mich aktiv auf die Suche nach einer solchen Option begeben. Im Internet, bei der Kreishandwerkerschaft sowie der Handwerkskammer habe ich mich erkundigt, wo ich schließlich vom Validierungserfahren erfuhr. Für mich stand schnell fest, dass ich an dem Verfahren teilnehmen möchte, um mein Können zertifiziert zu bekommen.

Am Verfahren haben Sie bei der Handwerkskammer Münster teilgenommen. Wie waren Ihre Erfahrungen?

Falko Will: Das Beratungsgespräch sowie das Ausfüllen des Selbsteinschätzungsbogens liefen schnell und unkompliziert ab. Frau Oßwald, die Kammermitarbeiterin, war sehr verständnisvoll und hat alle Verfahrensschritte umgehend in die Wege geleitet, sodass ich schnellstmöglich an der Fremdbewertung im Referenzberuf `Kraftfahrzeugmechatroniker` teilnehmen konnte. Für ihre Mühe bin ich sehr dankbar, schließlich ist ein solcher Einsatz nicht selbstverständlich.

Herr Will, wie haben Sie das Herzstück der Validierung, die Fremdbewertung empfunden?

Falko Will: Die Fremdbewertung fand in einer kleinen Gruppe statt. Die Atmosphäre war toll, die Bewerter waren sehr freundlich – generell herrschte ein sehr angenehmes Klima während der Bewertung. Etwas Nervosität habe ich anfangs zwar verspürt, doch dann merkte ich, dass ich nur meine alltäglichen Aufgaben lösen muss. Die Fremdbewertung war umfangreich, das muss man zugeben, aber ich habe mein Können in allen Tätigkeitsfeldern unter Beweis stellen wollen. Generell orientieren sich alle Aufgaben am Arbeitsalltag und waren somit lösbar.

Und wie geht es jetzt für Sie nach der erfolgreichen Validierung weiter?

Falko Will: Das Zertifikat der Handwerkskammer ist für mich eine Motivation, um mich beruflich noch weiterzuentwickeln. Gerne würde ich mir in Zukunft mein Know-how auch im Karosseriebau bestätigen lassen. Außerdem hat sich neben dem ursprünglichen Stellenangebot noch ein weiteres für mich aufgetan, welches ebenfalls sehr attraktiv ist. Das Zertifikat hat meine Arbeitsmarktchancen zweifellos verbessert. Darüber hinaus habe ich ein besseres Bild über meine Fertigkeiten und Fähigkeiten seit der Fremdbewertung. Ich kann das Verfahren wirklich wärmsten empfehlen!

Voller Erfolg: Regionale Erfahrungsaustausche von Bewerterinnen und Bewertern

Im Juni fanden zwei Erfahrungsaustausche für Bewerterinnen und Bewerter zur Umsetzung von Validierungsverfahren statt. Ziel war der Austausch über die verschiedenen Methoden, Fragestellungen sowie Herausforderungen bei der Bewertung von Berufskompetenzen. Die Expert*innen tauschten sich unter anderem zu folgenden Themen aus:

  • Das Erstellen von Aufgaben für die Fremdbewertung
  • Erfahrungen und Vorgehen bei Gruppenbewertungen
  • Ort, Dauer sowie Anspruchsniveau einer Fremdbewertung
  • Umgang mit K.o.-Kriterien bei einer Fremdbewertung

Die Berufsexpertinnen und -experten konnten viel voneinander lernen und haben Anregungen für zukünftige Validierungsfälle mitnehmen können. Der Wunsch, im nächsten Jahr einen weiteren Austausch durchzuführen, wurde ebenfalls geäußert.

ValiKom bringt Expertise im Erasmus+ Projekt ein

Im Rahmen des Erasmus+ Projekts „Austausch und Vernetzung zur Validierungspraxis in Deutschland und Österreich“ bringt sich ValiKom mit seinem Know-how bezüglich der Umsetzung von Validierungen ein. Während der knapp zweijährigen Projektlaufzeit werden sich die fünf Partnerorganisationen aus Deutschland und Österreich mit den bisher entwickelten Ansätzen, Verfahren und Instrumente der beiden Länder im Detail auseinandersetzen, um voneinander zu lernen, aber auch um das Thema Validierung im deutschsprachigen Raum weiter voranzutreiben. Dabei haben die Beteiligten auch die Zielgruppe von Validierungsverfahren im Blick, denn durch die Validierung informell und non-formal erworbener Kompetenzen, werden die Chancen von formal gering qualifizierten Beschäftigten am Arbeitsmarkt und in den Unternehmen verbessert. Das Sichtbarmachen der vorhandenen Kompetenzen kann sich zudem positiv auf ihre Verbleibdauer im Unternehmen und auf ihre soziale und wirtschaftliche Lage auswirken.

Wie wichtig die Einbeziehung von Betrieben ist, wurde bereits beim ersten Kick-Off Meeting der Projektpartner deutlich. Wie Unternehmen für ein Validierungsverfahren aufgeschlossen und motiviert werden können, Validierung als Personalentwicklungsinstrument einzusetzen, wird daher im nächsten Workshop der Teilnehmenden vertieft.

Weitere Informationen zum Erasmus+ Projekt gibt es unter:
https://www.heurekanet.de/projekte/devalat-austausch-und-vernetzung-zur-validierungspraxis-in-deutschland-und-oesterreich

Save the Date: Erste Nationale Weiterbildungskonferenz 14. und 15. November 2023

Im Rahmen der Nationalen Weiterbildungsstrategie (NWS) findet am 14. und 15. November 2023 die Erste Nationale Weiterbildungskonferenz in Berlin-Mitte statt. Sie wird ausgerichtet vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Verknüpft mit dem Europäischen Jahr der Kompetenzen, öffnet die Nationale Weiterbildungskonferenz den fachlichen Diskurs einem breiten Kreis an Akteuren. Weitere Expertise aus der Praxis, Austausch und Vernetzung sollen den weiteren NWS-Umsetzungsprozess stärken. Die Konferenz ist eine zentrale Veranstaltung für die Weiterbildungspolitik in Deutschland. Sie wird unter Beteiligung der Leitungsebenen beider Bundesministerien, Spitzenvertreterinnen und -vertreter der NWS-Partner stattfinden.

Hintergrund:
Mit der Nationalen Weiterbildungsstrategie (NWS) haben Bund, Länder, Wirtschaft, Gewerkschaften und die Bundesagentur für Arbeit 2019 gemeinsam den Grundstein für eine neue Weiterbildungskultur gelegt. Ziele der Partner der Nationalen Weiterbildungsstrategie sind:

  • Ansätze zu erarbeiten und umzusetzen, damit mehr Geringqualifizierte an Weiterbildung teilnehmen
  • Den Aufbau benötigter Kompetenzen und etwaiger Umorientierung im Erwerbsleben im betrieblichen Kontext zu stärken, insbesondere für KMU, da die Weiterbildungsbeteiligung bei ihnen geringer ist als bei größeren Unternehmen

Konkretisiert wurden diese Ziele durch zehn Handlungsfelder. Darunter auch das Ziel, erworbene Kompetenzen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der beruflichen Bildung sichtbar zu machen und anzuerkennen: „Um faire Teilhabechancen zu ermöglichen und gleichzeitig den Fachkräftebedarf zu decken, hat die NWS sich zum Ziel gesetzt, die Sichtbarkeit und Verwertbarkeit informellen beruflichen Lernens durch standardisierte Validierungsverfahren zu verbessern, ohne dadurch etablierte Ausbildungssysteme zu ersetzen oder zu schwächen. Das schließt die damit verbundenen Möglichkeiten zum Ausbau beruflicher Kompetenzen sowie beruflicher Weiterbildung ein. Darüber hinaus wurde angestrebt, erprobte Validierungsverfahren in die Breite zu transferieren und Kompetenzzentren aufzubauen.“ (Quelle: Umsetzungsbericht Nationale Weiterbildungsstrategie, S. 42)

Drei weitere Ausbildungsberufe können nun validiert werden

Im Rahmen des Projektes wird das Berufsangebot weiter ausgebaut: Handwerkskammern können Teilnehmende jetzt in den Berufen Maurer/-in sowie Hochbaufacharbeiter/-in Schwerpunkt Mauerarbeiten validieren. Bei den Landwirtschaftskammern sind nun Validierungen im Beruf Landwirt/-in möglich.

 

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Aktuelles

Im Rahmen des Projektes wird das Berufsangebot weiter ausgebaut. Teilnehmende können jetzt zusätzlich in den Referenzberufen:

  • Augenoptiker/in
  • Fachkraft Küche

validiert werden.

 

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Blick in die Praxis: Überbrückung von Entfernung im Validierungsverfahren

Obwohl bundesweit insgesamt 30 Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern sowie Landwirtschaftskammern Validierungsverfahren anbieten, ist der Weg zum nächsten Projektstandort nicht immer nah. Am Beispiel von  Herrn L., der ein Validierungsverfahren bei der 300 km entfernten Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld absolvierte, wird aber sichtbar, dass sich bei vielen Verfahrensschritten Entfernungen zwischen einer Kammer und einem Validierungskandidaten gut überwinden lassen.

Die Durchführung des Validierungsverfahrens fand aufgrund der Corona-Pandemie mit einigen Monaten Verzögerung im November 2020 statt. Das Informationsgespräch zu Beginn des Verfahrens konnte problemlos telefonisch erledigt werden und die notwendigen Antragsunterlagen füllte Herr L. zu Hause aus. Das Beratungsgespräch mit dem Bewerter hätte auch als Videokonferenz durchgeführt werden können, doch Herr L. wünschte sich, seinen Bewerter persönlich kennenzulernen. Daher wollte er zwei Termine in Bielefeld wahrnehmen, und zwar für das Beratungsgespräch sowie für die Fremdbewertung.

Die zweitägige Fremdbewertung fand gemeinsam mit einem weiteren Teilnehmer im Handwerksbildungszentrum Brackwede statt. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte Herr L. privat kein Hotelzimmer buchen, weshalb die Kammer ihm eine Bescheinigung mit dem Hinweis auf Übernachtung zu beruflichen Zwecken ausstellte. Herr L. reiste am Vortag an und konnte problemlos an der Bewertung teilnehmen. Bei der Fremdbewertung zeigten beide Teilnehmer u.a. durch unterschiedliche Pflasterarbeiten, Aushubtätigkeiten und Mauern ihr Können und erhielten jeweils ein Zertifikat über eine teilweise Gleichwertigkeit ihrer beruflichen Kompetenzen im Vergleich mit dem Referenzberuf „Straßenbauer/in“.

Beide Teilnehmer sahen in ihrer Teilnahme am Validierungsverfahren einen großen persönlichen Zugewinn: Herr L. wird sich unter Einbezug des Ergebnisses im eigenen Betrieb weiter fortbilden und seinen derzeitigen Aufgabenbereich dadurch ausbauen. Bei dem zweiten Teilnehmer entwickelte sich im Anschluss an die Teilnahme in „ValiKom Transfer“ die Motivation, eine reguläre Ausbildung oder Umschulung zu durchlaufen und er erhielt dabei Beratung und Unterstützung durch den eingesetzten Berufsexperten und die Kammer.

Betriebliche Vorteile der Validierung

Dass die von Herrn Szlezak aufgeführten Vorteile für Unternehmen kein Einzelfall sind, belegt die kürzlich veröffentlichte Studie des Forschungsinstituts für Berufsbildung im Handwerk (FBH) an der Universität zu Köln. Aus dieser geht hervor, dass das Validierungsverfahren zahlreiche Vorteile für Unternehmen bietet. Dazu gehören eine Steigerung der Mitarbeitermotivation und -zufriedenheit sowie eine verbesserte Arbeitsqualität. Außerdem profitieren Unternehmen von einer höheren Produktivität und Effizienz durch den gezielten Einsatz von Fachkräften, die durch das Validierungsverfahren als solche identifiziert werden können.

Der Bericht hebt vier Nutzenperspektiven der Validierung für Betriebe hervor:

  • Validierung als Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung
  • Validierung als Baustein einer verantwortungsbewussten Personalentwicklung
  • Validierung als ein Weg zur Fachkräftebindung
  • Das Validierungszertifikat als Qualifikationsnachweis

Europäisches Jahr der Kompetenzen: Real People – Real Skills

Seit 1983 wählen das Europäische Parlament und der Rat der Europäischen Union jedes Jahr ein Schwerpunktthema aus, das im Rahmen des "Europäischen Jahres" behandelt wird. Diese Kampagnen zielen darauf ab, Debatten und Dialoge zwischen den Mitgliedstaaten zu fördern und die Bürgerinnen und Bürger Europas für wichtige Themen zu sensibilisieren. Dieses Jahr liegt der Schwerpunkt auf dem Thema „Kompetenzen“. In diesem Rahmen hat die Europäische Kommission die Kampagne „Real People - Real Skills“ initiiert, die darauf abzielt, Geschichten von Menschen hervorzuheben und zu würdigen, die durch Weiterbildungs- und Umschulungsprogramme ihre Karrieren und Leben umgestaltet haben. Zwei Teilnehmende des Validierungsverfahrens nahmen mit Unterstützung des Forschungsinstituts für Berufsbildung im Handwerk (FBH) an der Universität zu Köln an dieser Kampagne teil und erzählten, wie das Validierungsverfahren dazu beitrug, sich beruflich weiterzuentwickeln.

Wir sind stolz darauf, dass unsere Teilnehmenden Teil dieser inspirierenden Kampagne sind und ihre Geschichten zeigen, wie Validierungsverfahren dazu helfen können, beruflich voranzukommen. Diese und weitere Erfolgsgeschichten können hier nachgelesen werden.

Aktuelles zur rechtlichen Verankerung der Validierung von Berufserfahrung

Das Bundeskabinett hat am 7. Februar 2024 die rechtliche Verankerung der Feststellung der individuellen Handlungsfähigkeit im Berufsbildungsgesetz (BBiG) und in der Handwerksordnung (HWO) durch das Berufsvalidierungs- und Digitalisierungsgesetz (BVaDiG) beschlossen (berichtet im Newsletter 01/2024). Der Bundestag hat am 14. Juni 2024 den Gesetzesentwurf verabschiedet (Link). Nach derzeitigem Stand werden die Regelungen zum 1. Januar 2025 in Kraft treten.

Social Media

Auf unseren Social-Media-Plattformen läuft seit kurzem eine neue Serie, in der sich Unternehmen zu Wort melden und berichten, wie sie und ihre Mitarbeitenden vom Validierungsverfahren profitiert haben. Die Arbeitgeber teilen wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen, die sie während der Validierungsverfahren sammeln konnten.

Aktuelles

  • Im Rahmen des Projektes wird das Berufsangebot stetig ausgebaut. Teilnehmende können jetzt in allen Fachrichtungen des Referenzberufs ‚Fachinformatiker/in‘ validiert werden.
     
  • Save the Date: Am 15. Oktober 2024 findet die Abschlussveranstaltung des Projekts ValiKom Transfer in Berlin statt. Weitere Details folgen.

 

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3x3 Kurzfilme zeigen Weg zum Kammerzertifikat

Je drei Kurzfilme begleiten drei Protagonisten bei ihrem Weg durch das Validierungsverfahren. Neben den Teilnehmenden kommen auch ihre Arbeitgeber zu Wort, die erläutern, welchen Beitrag das Verfahren zur Fachkräftesicherung und Personalentwicklung leisten kann. 

Die drei Fallbeispiele zeigen exemplarisch, wie groß die Bandbreite der beruflichen Erfahrungen bei den bisherigen Teilnehmenden ist: Nadine Terminé ist gelernte Floristin, arbeitet jedoch seit vielen Jahren in einem Logistikzentrum. Adrian Capatina hat in Rumänien eine Ausbildung zum Schreiner absolviert und ist nun in Deutschland im Elektrohandwerk tätig. Werner Garweg hat sich sein berufliches Können im Garten- und Landschaftbau über Jahrzehnte ohne jegliche Berufsausbildung angeeignet. Die Filme zeigen das Validierungsverfahren jeweils aus Perspektive der Teilnehmenden, ihrer Arbeitgeber und der Kammerakteure.

Die drei Filmreihen zu den Berufen Fachkraft für Lagerlogistik, Elektroniker sowie Garten- und Landschaftsbauer sind auf Youtube abrufbar: Zur Playlist 

Aktuelle Einblicke

  • Das Projekt ValiKom Transfer wird verlängert. Eine Teilnahme am Validierungsverfahren im Rahmen des Projekts ist bis Oktober 2024 möglich.
  • Die wichtigsten Informationen für Teilnehmende sind auf der Projektwebseite jetzt auch in Leichter Sprache verfügbar.

 

 

Newsletter »Servicestelle Validierung« Ausgabe 04/2022

ValiKom weckt Interesse über nationale Grenzen hinaus

Am 18. Oktober 2022 fand in Zagreb ein internationaler Workshop zum Thema Validierung statt. An diesem nahm auch Projektmitarbeiterin Dr. Alicia Prochotta von der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart teil und stellte dort ValiKom vor. Neben ValiKom wurden in dem Peer-Learning-Workshop noch drei weitere europäische Validierungsverfahren von den jeweiligen Landesvertretungen präsentiert. Ziel des Workshops war es, kroatischen Interessenvertreter*innen und Behörden die Möglichkeit zu bieten, sich mit den Referent*innen zu den jeweiligen Validierungsverfahren auszutauschen. Initiiert wurde der Austausch durch das Skills Team des Direktorats für Beschäftigung, Arbeit und Soziales der OECD in Paris. Das Team arbeitet momentan an einem Projekt der Europäischen Kommission, das die kroatische Regierung bei der Einführung eines Systems zur Validierung von beruflichen Kompetenzen unterstützen soll. Im Rahmen dieser Arbeit wurde ValiKom als gutes Beispiel identifiziert.

Alle weiteren Details zum Validierungsverfahren als auch zu geplanten Veranstaltungen der Projektpartner finden Sie auf unserer Homepage.

Erfolgsgeschichte: Vom Validierungsverfahren in die Selbstständigkeit

Ommolbanin Pourkazemdizaji stammt aus dem Iran und lebt erst seit 7 Jahren in Deutschland, doch ihre ambitionierte Art hat dazu beigetragen, dass sie in dieser kurzen Zeit schon sehr weit gekommen ist. Die Teilnehmerin durchlief das Validierungsverfahren im Referenzberuf ‚Maßschneiderin‘ bei der Handwerkskammer Hannover. Nun hält sie einen offiziellen Nachweis über ihre beruflichen Kompetenzen in den Händen. Im Interview schildert Frau Pourkazemdizaji ihre Erfahrungen mit dem Validierungsverfahren. 

 

1. Frage: Erzählen Sie uns, wie Sie auf das Validierungsverfahren aufmerksam wurden?
Ommolbanin Pourkazemdizaji: Im Iran habe ich das Schneiderhandwerk gelernt und eine Ausbildung zur Modedesignerin gemacht. Dort habe ich in meinem eigenen Institut junge Frauen zu Schneiderinnen und Näherinnen ausgebildet und auch als staatliche Prüferin mitgewirkt. Seit 2015 lebe ich in Deutschland. Zum Ausüben meines Berufs fehlte mir ein Nachweis meiner beruflichen Fähigkeiten. Aus diesem Grund wurden mir nur Stellen für angelernte Aushilfskräfte angeboten. Daher habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, um meine berufliche Situation zu verbessern. Bei meiner Suche wurde ich von der Handwerkskammer Hannover schließlich auf das Validierungsverfahren aufmerksam gemacht. Ein Verfahren, welches meine Berufserfahrung bewertet und ein Zertifikat über diese ausstellt. Da habe ich gewusst, das ist es!

 

2. Frage: In Ihrer Heimat haben Sie sogar als Prüferin gearbeitet, wieso haben Sie ihren ausländischen Berufsabschluss hier nicht anerkennen lassen?
Ommolbanin Pourkazemdizaji: Selbstverständlich habe ich als erstes versucht, meinen ausländischen Berufsabschluss in Deutschland anerkennen zu lassen, bevor ich mich zum Validierungsverfahren angemeldet habe. Leider waren die Unterschiede zwischen meiner Berufsqualifikation im Iran und dem deutschen Referenzberuf ‚Maßschneiderin‘ zu groß. Deswegen habe ich mich zur Teilnahme am Validierungsverfahren entschieden.

 

3. Frage: Frage: Wie haben Sie sich anschließend auf das Verfahren vorbereitet und wie lief es ab?
Ommolbanin Pourkazemdizaji: Die wichtigste Vorbereitung war das Erlernen der deutschen Sprache, womit ich bereits vor dem Validierungsverfahren angefangen habe. Hinzu kamen die unterschiedlichen Gespräche mit der Kammermitarbeiterin sowie den Berufsexpertinnen. Anschließend folgte die Fremdbewertung in der meine Fähigkeiten und Kenntnisse bewertet wurden. Um meine beruflichen Kompetenzen festzustellen, bestand meine Aufgabe darin, binnen einer Arbeitswoche ein von mir entworfenes Damen-Kostüm anzufertigen. Das Set bestand aus einem Rock und einer Jacke.

 

4. Frage: An welchen Augenblick während des Validierungsverfahrens denken Sie am liebsten zurück?
Ommolbanin Pourkazemdizaji: Das schönste Erlebnis war natürlich das Erlangen des Zertifikates. Darauf bin ich stolz! Besonders gern erinnere ich mich ebenfalls an die großartige Unterstützung der Mitarbeiterinnen der Handwerkskammer Hannover zurück. Nicht zuletzt danke ich meinen deutschen Freunden, die mir unter anderem beim Verstehen von Verfahrensfragen unermüdlich geholfen und mir immer wieder Mut gemacht haben.

 

5. Frage: Frage: Nach dem Validierungsverfahren hat sich für Sie einiges getan. Berichten Sie mal.
Ommolbanin Pourkazemdizaji: Meine Bewerbungen bei verschiedenen Unternehmen als Maßschneiderin war bis jetzt noch nicht erfolgreich, deshalb entschied ich mich für den Weg in die Selbstständigkeit. Ich arbeite nun als selbständige Maßschneiderin und führe endlich wieder meinen Lieblingsberuf aus. Diese Tatsache macht mich überglücklich. Natürlich ist das Zertifikat nicht entscheidend für meinen Erfolg als Selbstständige, sondern die Qualität meiner Arbeit. Aber das Zertifikat hat mir den Mut und das Selbstvertrauen gegeben, die Selbständigkeit zu wagen.

 

6. Frage: Würden Sie das Validierungsverfahren weiterempfehlen?
Ommolbanin Pourkazemdizaji: JA! Ein Nachweis über das berufliche Können ist ein wichtiger Grundstein für ein erfolgreiches Berufsleben in Deutschland.

Erster regionaler Erfahrungsaustausch von Bewerterinnen und Bewertern erfolgreich durchgeführt

Am 13. Oktober 2022 fand in Düsseldorf der erste Erfahrungsaustausch der Bewerterinnen und Bewerter der Region West zur Umsetzung von Validierungsverfahren statt. Diese Veranstaltung richtete sich an alle Berufsexpertinnen und -experten der Projektkammern aus dem westlichen Bundesgebiet, um sich über das Validierungsverfahren auszutauschen. Nach einem kurzen Rückblick, was bisher im Projekt erreicht wurde und einer Vorstellung ausgewählter Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung, startete der Erfahrungsaustausch in Kleingruppen. Dazu wurden die Teilnehmenden in berufsverwandte Gruppen aufgeteilt. Zum Einstieg stellte in jeder Gruppe ein Bewerter bzw. eine Bewerterin mithilfe eines Fotos eine Bewertungssituation vor, zu der sich im Anschluss ausgetauscht wurde. Dabei wurden Gemeinsamkeiten bei der Vorgehensweise aber auch Unterschiede sichtbar. In allen Gruppen lag das Augenmerk auf der Vorbereitung und Durchführung von Fremdbewertungen und dem Gespräch zur Fremdbewertung.
Die gemeinsame Abschlussrunde, bei der die wichtigsten Erkenntnisse aus den Gruppen vorgestellt wurden, zeigte wie wichtig und wertvoll solch ein Austausch ist. Viele der Bewerterinnen und Bewerter gaben an, dass sie von den Erfahrungen der anderen gelernt haben und Impulse für zukünftige Fremdbewertungen mitgenommen haben.

In den nächsten beiden Projektjahren ist ein solches Format auch in den restlichen Regionen (Nord, Ost und Süd) geplant.

Aktuelles

Im Rahmen des Projektes wird das Berufsangebot weiter ausgebaut.
Teilnehmende können jetzt zusätzlich in den Referenzberufen

  • Änderungsschneider/in
  • Fachkraft für Veranstaltungstechnik

validiert werden.

Das gesamte Team des Projekts ValiKom Transfer wünscht Ihnen und Ihrer Familie erholsame Feiertage und ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr.

 

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Newsletter »Servicestelle Validierung« TESTNEWSLETTER KATHARINA/2024

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Newsletter »Servicestelle Validierung« Test Tina/2024

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Newsletter »Servicestelle Validierung« TESTNEWSLETTER Lisa/2024

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Newsletter »Servicestelle Validierung« AUSGABE-01/2021

Bewertung von Berufskompetenzen

Herzstück des Validierungsverfahrens, mit dem berufliche Kompetenzen bewertet und zertifiziert werden, ist die sogenannte Fremdbewertung. Damit stellen Berufsexperten und -expertinnen fest, ob die Teilnehmenden die notwendige Handlungskompetenz für die Ausübung eines bestimmten Berufes besitzen.

Um die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse, die für die Berufsausübung benötigt werden, zu bewerten, werden verschiedene Instrumente eingesetzt:

  • Arbeitsprobe,
  • Fachgespräch,
  • Fallstudie,
  • Präsentation,
  • Probearbeiten im Betrieb,
  • Rollenspiel/Gesprächssimulation

Das Fachgespräch wird typischerweise eingesetzt, um festzustellen, ob die Teilnehmenden über die nötigen Kenntnisse – also das berufsspezifische Handlungswissen – verfügen. Aber auch mit einer Arbeitsprobe, bei der besonderes Augenmerk auf motorische Fähigkeiten gelegt wird, kann zum Teil Fachwissen nachgewiesen und bewertet werden, denn bei der Ausführung von Tätigkeiten wird immer auch auf vorhandenes Wissen zurückgegriffen.

Beispielsweise muss ein Friseur beim Haarefärben nicht nur die Einwirkzeiten der einzelnen Produkte kennen, sondern auch wissen, ob sie für die Haarstruktur der Kundin geeignet sind. Der Einsatz von geeigneten Produkten und die richtige Handhabung der Produkte während einer Arbeitsprobe zeigt also, ob das erforderliche Fachwissen für eine sachgerechte Berufsausübung vorhanden ist.

 

Bewertungsverfahren der HWK Mittelfranken in besonderem Umfeld

Zwei Kandidaten, zwei Maler-und Lackierermeister als Berufsexperten, die Kammermitarbeiterin – eine ganz normale Validierung, wären da nicht hohe Mauern und Stacheldraht: Wir befinden uns inder Justizvollzugsanstalt (JVA) Nürnberg. Die Teilnehmer am Validierungsverfahren sind Insassen im Strafvollzug.

Die Frage, wo Menschen mit Berufserfahrung, aber ohne Abschluss zu finden sind, führte Nina Kielmann, Projektmitarbeiterin bei der Handwerkskammer für Mittelfranken, ins Gefängnis: Viele der Inhaftierten haben die Schule oder eine Ausbildung abgebrochen, haben mal hier, mal dort gejobbt. Und doch haben sie sich im Berufsleben Kompetenzen angeeignet, die ein Validierungsverfahren sichtbar machen kann. „Für den einen oder anderen kann ein Zertifikat der Handwerkskammer bei der Bewerbung sicherlich hilfreich sein. So hat er vielleicht eine bessere Chance auf dem Arbeitsmarkt und kann den Kreislauf von Job – Drogen – Gefängnis durchbrechen,“ so Herr Schönfelder, Leiter des Werkdienstes in der JVA Nürnberg.

Unsere zwei Kandidaten zeigen in der Malerwerkstatt in der JVA ihr Können. Maler- undLackierermeister Günther Federl, Ausbilder im Bildungszentrum der Handwerkskammer für Mittelfranken, sowie Herbert Wahner, Maler-und Lackierermeister im Werkdienst in der JVA Nürnberg, beobachten sie dabei genau. Denn: „Wir tragen hier eine große Verantwortung. Wenn wirdie Kenntnisse bescheinigen, dann sollen sich die Betriebe draußen auch sicher sein, dass derTeilnehmer dies auch wirklich kann. Durchwinken gibt es nicht“, sagt Günther Federl. Eigentlich doch eine ganz normale Validierung, nur dass eben alle Verfahrensschrittein der JVA stattfinden – vorangegangen ist die Beratung der Interessierten durch die Kammermitarbeiterin.

Ist eine Validierung sinnvoll? Reicht die Berufserfahrung – und die Motivation? Das Ausfüllen desSelbsteinschätzungsbogens sowie die sorgfältige Erstellung eines Lebenslaufs stellen für den einen oder anderen Straffälligen bereits eine Hürde dar und lässt die Motivation sinken. Die eigenen Kenntnisse werden manchmal überschätzt oder man will sich bei der Fremdbewertung keine Blöße geben. Die Validierungsverfahren der Kammer sind immer ein freiwilliges Angebot – die Personen entscheiden selbst, ob sie es nutzen wollen oder nicht.

 

Newsletter »Servicestelle Validierung« Sondernewsletter/[Valikom Newsletter]

Fachtagung: „Verstetigung von Validierungsverfahren: Rechtlich verankert – und nun? Perspektiven der Validierung im deutschsprachigen Raum“

Das Projekt ValiKom Transfer bringt sich seit dem Frühjahr 2022 mit seiner Expertise bezüglich der Umsetzung von Validierungsverfahren beim Erasmus+ Projekt „Austausch und Vernetzung zur Validierungspraxis in Deutschland und Österreich“ (DEValAT) ein. Ziel des Projekts DEValAT ist es, den Austausch und die Vernetzung der deutschen und österreichischen Validierungsakteure zu fördern, um neue Impulse im Feld der Validierung zu setzen. Am 28. und 29. Februar findet eine zweitägige Abschlussveranstaltung in München mit den fünf Partnerorganisationen und Gästen statt.

 

Weitere Informationen zur Tagung
Im Rahmen dieser Abschlusstagung werden verschiedene Themen zur Umsetzung von Validierungsverfahren beleuchtet und der Frage nachgegangen, wie Validierungsverfahren für verschiedene Berufsgruppen nachhaltig in Deutschland und Österreich etabliert werden können.
Die Tagung findet in der PEG-Akademie in München statt und wird von Philipp Bächstädt moderiert.

 

Das Programm sowie einen Anmeldelink zur Veranstaltung finden Sie hier:
https://forms.office.com/e/xwYxLutQBh 

Newsletter »Servicestelle Validierung« AUSGABE-02/BETA 2020

Bewertung von Berufskompetenzen

Herzstück des Validierungsverfahrens, mit dem berufliche Kompetenzen bewertet und zertifiziert werden, ist die sogenannte Fremdbewertung. Damit stellen Berufsexperten und -expertinnen fest, ob die Teilnehmenden die notwendige Handlungskompetenz für die Ausübung eines bestimmten Berufes besitzen.

Um die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse, die für die Berufsausübung benötigt werden, zu bewerten, werden verschiedene Instrumente eingesetzt:

  • Arbeitsprobe,
  • Fachgespräch,
  • Fallstudie,
  • Präsentation,
  • Probearbeiten im Betrieb,
  • Rollenspiel/Gesprächssimulation

Das Fachgespräch wird typischerweise eingesetzt, um festzustellen, ob die Teilnehmenden über die nötigen Kenntnisse – also das berufsspezifische Handlungswissen – verfügen. Aber auch mit einer Arbeitsprobe, bei der besonderes Augenmerk auf motorische Fähigkeiten gelegt wird, kann zum Teil Fachwissen nachgewiesen und bewertet werden, denn bei der Ausführung von Tätigkeiten wird immer auch auf vorhandenes Wissen zurückgegriffen.

Beispielsweise muss ein Friseur beim Haarefärben nicht nur die Einwirkzeiten der einzelnen Produkte kennen, sondern auch wissen, ob sie für die Haarstruktur der Kundin geeignet sind. Der Einsatz von geeigneten Produkten und die richtige Handhabung der Produkte während einer Arbeitsprobe zeigt also, ob das erforderliche Fachwissen für eine sachgerechte Berufsausübung vorhanden ist.

 

Bewertungsverfahren der HWK Mittelfranken in besonderem Umfeld

Zwei Kandidaten, zwei Maler-und Lackierermeister als Berufsexperten, die Kammermitarbeiterin – eine ganz normale Validierung, wären da nicht hohe Mauern und Stacheldraht: Wir befinden uns inder Justizvollzugsanstalt (JVA) Nürnberg. Die Teilnehmer am Validierungsverfahren sind Insassen im Strafvollzug.

Die Frage, wo Menschen mit Berufserfahrung, aber ohne Abschluss zu finden sind, führte Nina Kielmann, Projektmitarbeiterin bei der Handwerkskammer für Mittelfranken, ins Gefängnis: Viele der Inhaftierten haben die Schule oder eine Ausbildung abgebrochen, haben mal hier, mal dort gejobbt. Und doch haben sie sich im Berufsleben Kompetenzen angeeignet, die ein Validierungsverfahren sichtbar machen kann. „Für den einen oder anderen kann ein Zertifikat der Handwerkskammer bei der Bewerbung sicherlich hilfreich sein. So hat er vielleicht eine bessere Chance auf dem Arbeitsmarkt und kann den Kreislauf von Job – Drogen – Gefängnis durchbrechen,“ so Herr Schönfelder, Leiter des Werkdienstes in der JVA Nürnberg.

Unsere zwei Kandidaten zeigen in der Malerwerkstatt in der JVA ihr Können. Maler- undLackierermeister Günther Federl, Ausbilder im Bildungszentrum der Handwerkskammer für Mittelfranken, sowie Herbert Wahner, Maler-und Lackierermeister im Werkdienst in der JVA Nürnberg, beobachten sie dabei genau. Denn: „Wir tragen hier eine große Verantwortung. Wenn wirdie Kenntnisse bescheinigen, dann sollen sich die Betriebe draußen auch sicher sein, dass derTeilnehmer dies auch wirklich kann. Durchwinken gibt es nicht“, sagt Günther Federl. Eigentlich doch eine ganz normale Validierung, nur dass eben alle Verfahrensschrittein der JVA stattfinden – vorangegangen ist die Beratung der Interessierten durch die Kammermitarbeiterin.

Ist eine Validierung sinnvoll? Reicht die Berufserfahrung – und die Motivation? Das Ausfüllen desSelbsteinschätzungsbogens sowie die sorgfältige Erstellung eines Lebenslaufs stellen für den einen oder anderen Straffälligen bereits eine Hürde dar und lässt die Motivation sinken. Die eigenen Kenntnisse werden manchmal überschätzt oder man will sich bei der Fremdbewertung keine Blöße geben. Die Validierungsverfahren der Kammer sind immer ein freiwilliges Angebot – die Personen entscheiden selbst, ob sie es nutzen wollen oder nicht.